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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mesothorium-Konzert in München 1913

Bei Anbietern von Ansichtskarten im Internet stößt man immer wieder einmal auf eine Karte, die eine Gruppe festlich gekleideter Menschen zeigt und den Untertitel "Mesothorium-Konzert" trägt. Ich habe einmal recherchiert, was es mit diesem Konzert auf sich hat.





Mesothorium ist die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für ein radioaktives Nuklid (bzw. sogar für zwei, nämlich für Radium 228 oder Actinium 228). Es wurde in der Anfangszeit der medizinischen Entwicklung von Bestrahlungen gegen Krebs vorwiegend für Gebärmutterkrebs eingesetzt. 1913 wollte der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in München, Albert Döderlein, diese Methode einführen.


Da das Material in damaligen Zeiten sehr teuer war, versicherte er sich der Unterstützung des Prinzregenten und organisierte ein Benefizkonzert. Da die oben gezeigt Karte öfter auftaucht, vermute ich, dass die Karten ebenfalls für den wohltätigen Zweck der Anschaffung medizinischen Materials verkauft wurden.



Jedenfalls wurde am 29.VIII.1913 ein Opernkonzert mit vielen bekannten Sängern veranstaltet, die zu diesem Zweck zusammenkamen. Es fand im "Königlichen Odeon" in München statt und begann um 20 Uhr. Das Gruppenfoto ist wohl in diesem Rahmen auf einem Empfang vorher oder nachher entstanden. Die Namen der abgebildeten Personen sind auf dem Bild nicht angegeben. Zum Glück fand ich im Internet die abgebildete Rückseite einer solchen Ansichtskarte vom Konzert, auf der jemand minutiös (fast) alle Namen der Fotografierten aufgeführte hatte. Ich habe die Angaben mit Fotos der Bezeichneten verglichen und kann nun die meisten Personen auf dem Foto benennen.



Fangen wir also an...




Auf der linken Seite sehen wir ganz aussen Ernst von Possart (1841-1921), Er war damals ein sehr bekannter Schauspieler und von 1873 bis 1887 und dann noch einmal von 1893 bis 1905 Direktor des Münchener Thaters, was ihm schließlich den Adelstitel einbrachte.

Bei der zweiten Person von links handelt es sich wahrscheinlich um Hermann Zilcher (1881-1948), der als Dirigent und Komponist zeitweise in München lebte. Ich vermute, dass er der Dirigent des Abends war. Andererseits sieht er für einen 32jährigen etwas alt aus.

Die dritte Person von links wird auf der Liste als "Max Krauß, Aachen" bezeichnet. Ich habe noch nie von diesem Sänger gehört, aber wurde im Sängerlexikon fündig:
"Krauß, Max, Baß-Bariton, * 1.10.1886 Sodingen bei Herne (Westfalen), † 29.10.1968 Coburg; er begann ein Jurastudium, verlegte sich dann aber auf die Ausbildung seiner Stimme, die in München stattfand. Er debütierte 1911 am Stadttheater von St. Gallen, kam von dort 1913 an das Stadttheater Aachen, war dann aber nach 1916, abgesehen von einem kurzen Engagement am Hoftheater Hannover 1916-17, nur gastierend tätig. Hierbei trat er vor allem in Wagner-Partien auf: als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin«, als Hans Sachs in den »Meistersingern«, als Kurwenal im »Tristan«, als Wotan im Nibelungenring und als Amfortas im »Parsifal«. Gastspiele führten ihn u.a. an die Hofoper Dresden (1914), an das Théâtre de la Monnaie Brüssel (1914 in Aufführungen des Ring-Zyklus), an das Stadttheater von Zürich (1915), an das Opernhaus von Leipzig (1915-16 und 1919), nach Den Haag (1922) und Madrid, nach Basel und Bukarest und nach dem Ersten Weltkrieg an die Staatsopern von München, Berlin und Wien. Daneben entfaltete er eine ausgedehnte Tätigkeit als Konzert- und Liedersänger, wobei er namentlich mit Loewe-Balladen erfolgreich war; er kreierte aber auch verschiedene Lieder von Othmar Schoeck. Diese Tätigkeit setzte er bis zum Beginn der dreißiger Jahre fort. Dann wurde er 1932-33 Oberregisseur am Stadttheater von Lübeck; 1933-36 war er Operndirektor und stellvertretender Intendant am Staatstheater von Kassel, 1936-38 Intendant am Theater von Saarbrücken. 1940-43 bekleidete er die gleiche Position am Theater von Reichenberg in Böhmen (Liberec) und, nach einer Unterbrechung dieser Karriere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949-52 nochmals am Landestheater Coburg. Zuletzt lebte er im Ruhestand am Tegernsee.
[Lexikon: Krauß, Max. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 13186 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 1908 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]"

Man fragt sich, warum dieser Sänger bei der "All Stars-Besetzung" dabei sein durfte, zumal ja das Fach des Basses schon reichlich vertreten war.

Die vierte, ebenfalls wie Krauß halb verdeckte Person ist der erste bekannte Sänger in der Reihe. Es handelt sich um Fritz Feinhals (1869-1940), der von 1898 bis 1927 an der Hof- und später Staatsoper in München sang. Seine markante Gestalt ist gut zu erkennen.




Vor ihm, als fünfter von links, steht der Bass Max Gillmann (1874-1926), der seit 1906 an der Münchner Hofoper sang. Seine untersetzte Gestalt mit dem runden Gesicht ist auch unter der Maske des Landgrafen im Tannhäuser noch zu erkennen.



Hinter Max Gillmann sieht man den Kopf des Basses Carl Braun (1886-1960), der zum Zeitpunkt des Konzertes an der Städtischen Oper in Berlin engagiert war, aber durch seine Auftritte in Bayreuth (zwischen 1909 und 1931) bekannt war.

 

(Ausschnitt linke Seite)

Carl Braun mit Hund in Bayreuth

Nun folgt mit Maude Fay (1878-1964) die erste Sängerin. Die geborene Amerikanerin war von 1906 bis 1914 in München verpflichtet und wechselte dann an die Met nach New York, wo sie noch ein paar Jahre sang. Nach ihrer Verheiratung 1917 zog sie sich weitgehend aus dem Musikleben zurück. Auf einer anderen Ansichtskarte kann man sie trotz Schleier gut wiedererkennen.

Maude Fay (1878-1964)

Der Mann zwischen den beiden Damen ist Paul Bender (1875-1947), der ab 1903 30 Jahre lang erster Bass am Opernhaus München war. Er ist ebenfalls eindeutig zu erkennen.


Die zweite Dame von rechts ist Hermine Bosetti (1875-1936), die von 1901 bis 1924 in München sang. In meinem anderen Blog kann man sich Schallplattenaufnahmen von ihr herunterladen.


Hermine Bosetti (1875-1936)

Hinter Bosetti steht im Hintergrund ein älterer Herr, der anscheinend eine Art Orden um die Brust trägt.
Er wird vom Chronisten der Auflistung als "von Enderlein" bezeichnet. Ich vermute, dass es sich um irgend einen Münchner Honoratioren handelt, Es gibt zwar den Tenor Emil Enderlein (1887-?), der von 1912 bis 1916 in Dresden sang und 1925 bei den Bayreuther Festspielen immerhin den Walther von Stolzing verkörperte. Nach dem Auftritt dort änderte er seinen Namen in Erik Enderlein um. Dieser sah aber anders aus und war 1913 viel jünger als die abgebildetre Person.

Erik Enderlein, damals noch Emil. Die Zahl 1940 auf der Karte kann eigentlich nicht stimmen...

Die dritte Dame auf der linken Seite ist Madame Charles Cahier (1870-1951). Sie ist in Nashville (Tennessee) geboren und hieß eigentlich Sarah Jane Walker. Seitdem sie 1904 den "schwedischen Rittergutsbesitzer" (so das Sängerlexikon) Charles Cahier geheiratet hatte, trat sie nur noch unter seinem Namen auf. Sie wurde 1906 von Gustav Mahler nach Wien geholt und sang 1911 in München in der Erstaufführung von Mahlers "Lied von der Erde" das Alt-Solo. Auch von ihr gibt es hier noch ein andrees Bild zum Vergleich.


Madame Charles Cahier in Titus von Mozart





Hinter der rechten Schulter des Prinzregenten sehen wir schließlich noch die altbekannte hünenhafte Gestalt des unverwüstlichen Leo Slezak (1873-1946). Kommen wir nun zur rechten Seite des Bildes.


Auschnitt der rechten Bildseite

Hier hat der Chronist leider seine peinlich genaue Auflistung der einzelnen Personen genau nach Stellung in der Reihe nicht beibehalten. Lediglich zwei Namen werden uns noch angegeben, nämlich Berta Morena (1878-1952) und Louise Perard-Petzl (1884-1936). Mit im Spiel sind noch Olive Fremstad und Edyth Walker, die ebenfalls auf dem Konzertplakat stehen.

Wenn man die vier Damen rechts neben dem Prinzregenten, die unverdeckt zu sehen sind, von 1 bis 4 durchnummeriert, wäre meine Zuordnung: 1 - Olive Fremstad, 2 - Edyth Walker, 3 - Berta Morena, 4 - Louise Perard-Petzl.

Damit sich jeder ein eigenes Urteil bilden kann, hier ein paar Bilder, nach denen ich meine Einschätzung vorgenommen habe:


(sieht nach m.E. dem Mesothorium-Foto sehr ähnlich)

Olive Fremstad 2

Olive Fremstad 3, etwas jünger als auf dem Foto (?)

Edyth Walker:

Edyth Walker privat


Ausschnitt, sieht aus wie Person 2










Jetzt zu Morena und Perard-Petzl:

sieht aus wie auf dem Mesothorium-Foto


 Hier lacht sie aber eher wie Person 4, hat aber nicht so ein schmales Gesicht. Oder irre ich mich?



Nun zur letzten, die auch wie auf dem Foto lacht, wenn sie denn Person 4 ist!

Louise Petzl in Schmuck der Madonna






Ich nehme gerne Kommentare von Mitratern entgegen. Und das nächste Rätsel wartet auch schon: eine Ansichtskarte mit Münchner Bühnenkünstlern, die 1912 gelaufen ist. Es könnten aber auch Schauspieler sein, denn ich erkenne niemanden von unserem Mesothorium-Konzert wieder!




PS. Die Abbildungen der Ärzte und des Konzert-Plakates stammen aus diesem Buch (das ich nicht gelesen habe, sondern über Google durchsuchen konnte):


Montag, 17. Oktober 2016

Auf den Spuren der Uraufführung der Oper "La Boheme" vor 120 Jahren

Die Oper "La Boheme" von Giaocomo Puccini wurde am 1. Februar 1896 im Teatro Regio in Turin unter der Leitung von Arturo Toscanini uraufgeführt. Nach den Berichten kam die Oper beim Publikum gut an, der Presse war sie zu karg und veristisch: Sie zeigte kleine Leute an ärmlichen Schauplätzen. Erst im gleichen Monat in Rom und dann im April in Palermo wurde die Oper zum richtig großen Erfolg und ist es seitdem geblieben.

Es gibt eine Serie von Ansichtskarten des italienischen Verlages Alterocca Terni, die angeblich die Sänger der Uraufführung von La Boheme in Szenenbildern der Oper zeigen, die mit Notenzitaten "verziert" sind und oft auch eine Unterschrift Puccinis aufweisen.Sie stammen von ca. 1900 oder eher und zeigen Szenen der Oper. Dreizehn Karten aus dieser Serie (Nr. 3267-3280) konnte ich nachweisen. Ob sie wirklich die Sänger der Uraufführung zeigen, bleibt teilweise Spekulation, es ist aber sehr wahrscheinlich.

Die auf den Karten gezeigten Rollen entsprechen Rudolfo, Marcello, Mimi und Musetta. Die entsprechenden Sänger waren:

Rudolfo: Evan Gorga
Mimi: Cesira Ferrani
Marcello: Tieste Wilmant
Musetta: Camilla Pasini

Weitere nicht auf den Karten vorkommende Rollen und ihre Sänger in der Uraufführung waren:

Schaunard: Antonio Pini-Corsi
Colline: Michele Mazzara
Benoit und Alcindoro: Alessandro Polonini
Ferner werden angegeben, vermutlich als Comprimarii, Dante Zucchi und Felice Foglia


Karte Nr. 3267 - 1. Bild  - Evan Gorga und Cesira Ferrani


Karte 3268 - 1. Bild - Evan Gorga und Cesira Ferrani





Eine andere Ausgabe der Karte 3268 mit Sepia-Ton


Gorga, Evan, Tenor, * 1866 Brocco bei Caserta, † 6.12.1958 Rom; eigentlich Evangelista Gorga; er war ein Schüler von Aristide Franceschetti und debütierte 1895 am Teatro Comunale von Cagliari als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas. Er sang dort anschließend den des Grieux in Massenets »Manon« und den Amico Fritz in der gleichnamigen Oper von Mascagni und trat noch im gleichen Jahr 1895 am Teatro Costanzi in Rom als Arvino in Verdis »I Lombardi« auf. Der Name dieses Tenors besitzt eine besondere musikhistorische Bedeutung, weil er am 1.2.1896 in der Uraufführung von Puccinis Oper »La Bohème« am Teatro Regio Turin den Rodolfo sang, während die Mimi durch die Sopranistin Cesira Ferrani kreiert wurde. Da seine Stimme in den hohen Lagen nicht sonderlich ausgebildet war, mußte Puccini einige Teile der Partitur für ihn tiefer transponieren. Er sang den Rodolfo in den folgenden Jahren an vielen italienischen Theatern; er gastierte u.a. 1898 am Teatro Costanzi Rom als Faust von Gounod. Er gab jedoch bereits 1899 seine Bühnenkarriere auf. Er widmete sich jetzt der Sammlung von Musikinstrumenten aus allen Zeiten und allen Ländern und wurde der Besitzer einer weltweit bekannten kostbaren Kollektion. 1911 stellte er seine Instrumentensammlung im Rahmen einer großen Exposition in Rom aus. Seinen Lebensabend verbrachte der Sänger in Rom, wo er hochbetagt, mehr als 60 Jahre nach der Uraufführung von »La Bohème« starb.

Lit: M. Vita: »Evan Gorga e le sue grandi Collezioni« (Rom, 1926).

Von seiner Stimme sind keine Schallplatten vorhanden.
[Lexikon: Gorga, Evan. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 9256 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1371 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Karte Nr. 3269 - 1. Bild







In hoher Auflösung gescannter Ausschnitt aus Nr. 3269

Ferrani, Cesira, Sopran, * 8.5.1863 Turin, † 4.5.1943 Pollone bei Biella; eigentlicher Name Cesira Zanazzio. Ausbildung am Liceo musicale Turin durch Antonietta Fricci. Sie debütierte 1887 am Teatro Regio Turin als Marguerite im »Faust« von Gounod und sang im gleichen Jahr am Teatro Carignano Turin die Gilda im »Rigoletto«. Sie gastierte dann in Venedig, Catania und Turin und auch an französischen Theatern. 1892 trat sie am Teatro Carlo Felice von Genua als Amelia in Verdis »Simon Boccanegra« und als Loreley in der gleichnamigen Oper von Catalani unter Arturo Toscanini auf. Es folgten weitere Auftritte am Teatro Comunale Bologna (u.a. 1895 in der Uraufführung der Oper »Consuelo« von Orefice in der Titelrolle), in Bari, Brescia und Udine. Am 1.2.1893 wirkte sie am Teatro Regio Turin in der Uraufführung von Puccinis »Manon Lescaut« in der Titelrolle mit; am gleichen Theater kreierte sie am 1.2.1896 in der Uraufführung von Puccinis »La Bohème« die Rolle der Mimi. An der Mailänder Scala nahm sie an der Uraufführung der Oper »Il Fior d'Alpe« von Alberto Franchetti (15.3.1894), am Teatro Lirico Mailand an der von Giacomo Orefices damals sehr erfolgreicher Oper »Chopin« (25.11.1901) teil. Am 17.1.1901 sang sie in einer der sechs gleichzeitigen Uraufführungen von Mascagnis »Le Maschere« am Teatro Carlo Felice Genua. Die Aufführung endete (wie auch die übrigen fünf) mit einem skandalösen Mißerfolg und mußte schließlich abgebrochen wrden. 1893 gastierte sie am Teatro Colón Buenos Aires, 1894 an der Mailänder Scala, wo sie in den folgenden 15 Jahren immer wieder in Erscheinung trat. Große Erfolge hatte sie als Elisabeth im »Tannhäuser« und als Eva in den »Meistersingern«. Tourneen brachten ihr in Spanien und Rußland viel Beifall, 1898 war sie an der Oper von Kairo zu Gast, auch am Teatro San Carlos Lissabon. 1909 nahm sie von der Bühne Abschied, nachdem ihr Auftreten als Mélisande in der italienischen Erstaufführung von Debussys »Pelléas et Mélisande« (unter der Leitung von Toscanini) an der Scala 1908 einen schockierenden Mißerfolg gebracht hatte, der sich am Teatro Costanzi in Rom wiederholte. Sie wirkte dann als Pädagogin in Turin. Ihr Salon in Turin war für viele Jahre ein Zentrum des musikalischen und schöngeistigen Lebens in dieser Stadt.

Von ihr existieren einige seltene Schallplatten auf G & T (Mailand, 1903), darunter auch Titel aus »Manon Lescaut« und »La Bohème« von Puccini.

[Nachtrag] Ferrani, Cesira; sie sang auch die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Fanny Legrand in »Sapho« von Massenet, die Charlotte im »Werther«, ebenfalls von Massenet, und die Elsa im »Lohengrin«.

[Lexikon: Ferrani, Cesira. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7453 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1116 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



Nr. 3270 zeigt die Musetta der Camilla Pasini - eine Rolle, die bei den Zeitgenossen
der Uraufführung zunächst mehr Interesse erweckte als die der Mimi

In Frankreich wurden die Karten mit französischem Textaufdruck verkauft.




Pasini, Camilla, Sopran, * 6.11.1875 Rom, † 29.10.1935 Rom; sie war eine Schwester der großen italienischen dramatischen und Wagner-Sopranistin Lina Pasini-Vitale (1872-1959); eine weitere Schwester, Enrica Pasini, hatte eine kurze Karriere im Mezzosopranfach. Camilla Pasini erhielt ihre Ausbildung an der Accademia di Santa Cecilia in Rom und debütierte dort auch am Teatro Quirino als Inez in Meyerbeers »Africaine«. Sie wurde vor allem dadurch bekannt, daß sie in der Uraufführung von Puccinis Oper »La Bohème« am 1.2.1896 am Teatro Regio von Turin die Partie der Musetta sang, während Arturo Toscanini die Vorstellung dirigierte. 1897 sang sie die gleiche Partie bei der Premiere von »La Bohème« an der Mailänder Scala. Sie trat als Musetta in Brescia, Genua, Triest, in Asti und am Teatro Costanzi in Rom auf. 1904 unternahm sie eine Südamerika-Tournee. Sie sang in Italien u.a. am Teatro Comunale wie am Teatro Rossetti in Triest, am Teatro Massimo Palermo, am Teatro Comunale Fiume, in Padua, Cremona, Mailand und Rom. Dabei trug sie eine Vielzahl von Partien vor, darunter die Traviata, die Tosca, die Margherita in »Mefistofele« von Boito, die Titelrollen in »Fedora« von Giordano, »La Wally« und »Loreley« von Catalani, die Suzel in »Amico Fritz« von Mascagni, die Elsa im »Lohengrin«, die Desdemona in Verdis »Othello«, die Norina im »Don Paquale« und die Grisélidis in der gleichnamigen Oper von Massenet. Bereits 1905 gab sie ihre Karriere nach einer Heirat mit dem Juristen Muzi auf. In der Saison 1911-12 betrat sie nochmals am Teatro Costanzi Rom (hier in der Uraufführung der Oper »La Vigilia di Notte« von Teofilo De Angelis) und am Teatro Sociale in Mantua die Bühne.

Leider sind von der Stimme der bedeutenden Sängerin keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
[Lexikon: Pasini, Camilla. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 18635 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2661 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Nr. 3271 aus dem 3. Akt - links Tieste Wilmant als Marcello,, Mitte Evan Gorga als Rodolfo,
rechts Cesira Ferranii als Mimi 

Unter der Nummer 3271 bis 3276 folgen eine Reihe von Bildern aus dem dritten Akt.


Nr. 3272


Nr. 3273 in zwei verschieden dunklen bzw. kontrastreichen Versionen mit dadurch jeweils etwas anderem Charakter


Nr. 3274, zusätzlich mit Camilla Pasini als Musetta (ganz links)




Nr. 3275

Nr. 3276

Die folgenden Karten der Serie sind Einzelportraits der vier Darsteller gewidmet.

Nr. 3277 Tieste Wilmant als Marcello




Nr. 3277, Vergrößerung



Wilmant, Tieste, Bariton, * 1859 Lodi, † 20.3.1937 Lodi; er debütierte 1878 in Chiari. Seine Karriere ist schwer in ihren Einzelheiten zu verfolgen, scheint sich jedoch hauptsächich an italienischen Bühnen abgespielt zu haben. In der Spielzeit 1893-94 sang er an der Mailänder Scala in Catalanis »Loreley« und in »Manon Lescaut« von Puccini. In der Saison 1899-1900 war er wieder an der Scala anzutreffen, wo er jetzt den Alberich in der italienischen Erstaufführung des »Siegfried« von Richard Wagner sang, dazu den Jago im »Othello« von Verdi. Von musikhistorischer Bedeutung ist seine Teilnahme an der Uraufführung von Puccinis »La Bohème« am 1.2.1896 am Teatro Regio Turin, in der er den Marcello sang.

Schallplatten: Zwei sehr seltene Zonophone-Aufnahmen (Mailand, 1904).
[Lexikon: Wilmant, Tieste. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 25965 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3731 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]



Nr. 3278, Evan Gorga als Rodolfo

Nr. 3279 Cesira Ferrani als Mimi

Nr. 3280 Camilla Pasini als Musetta



Es hätte nahe gelegen, noch weitere zentrale Szenen der Oper, wie die Festszene, in der Musetta ihren Walzer singt, oder die Sterbeszene Mimis abzubilden. Dass dies nicht geschah, liegt vermutlich daran, dass nur die vier Darsteller für die Fotoserie zur Verfügung standen und in den anderen Szenen weitere Darsteller beteiligt gewesen wären. Nach Vergleichen mit anderen Fotos von Cesira Ferrani und Evan Gorga, die ich im Internet fand, gehe ich davon aus, dass hier wirklich die Uraufführungssänger abgebildet sind. Von Camilla Pasini finden sich zwei Fotos in Ashot's Blog Forgotten Operasingers (siehe HIER) . Von ihm stammt auch der Hinweis, dass es zwei seltene Tonaufnahmen von Camilla Pasini gibt, nämlich ein Duett aus I Puritani mit E. Gherlinzoni . Leider ist der Tonausschnitt auf der Seite nicht mehr zu hören. Außerdem steht auf dem Label "A.Pasini", so dass es durchaus eines der anderen Geschwister von Camilla Pasini sein könnte, die hier singt.





Es wird also allgemein in Sammlerkreisen angenommen, dass die genannten Darsteller auch auf den Ansichtskarten abgebildet sind. Die Fotos entstanden vermutlich wenige Jahre nach der Uraufführung und fanden weite Verbreitung. Das früheste postalisch gelaufene Exemplar sah ich, wenn ich mich richtig erinnere, von 1902. Oben sind u.a. datierte Exemplare von 1904 abgebildet (z.B. Nr. 3275). Die Bilder könnten also insgesamt um 1900 herum entstanden sein.

Evan Gorga hinterliess keine Tonaufnahmen. Cesira Ferrani hat u.a. zwei Aufnahmen aus La Boheme hinterlasssen (von 1902), die man Youtube hören kann.





Tieste Wilmant hat zwei Zonophon-Aufnahmen hinterlassen (nicht aus La Boheme), von der sich das Credo aus Otello auch auf Youtube findet. Da es sich nicht einbetten kann, hier der link:
https://www.youtube.com/watch?v=npo4iUFbwc4