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Donnerstag, 20. Juli 2017

In Wien am Bühnentürl (4)

Mein Bruder hat früher immer gesagt: "Wenn Du zwei Sachen von etwas hast, dann fängst du an, es zu sammeln!" Ganz recht hat er damit nicht, aber ich gebe zu, dass ich ein typischer Sammler bin und das "immer mehr Dazufinden" mir großes Vergnügen bereitet. So ging es mir auch mit den Bühnentürl-Bildern: zuerst einzelne durch Zufall mal mitgenommen, dann gezielt gesucht und nun: Welten tun sich auf. Es gibt doch mehr Bilder von dieser Art, als ich zuerst gedacht habe. Weiterhin schätze ich den Charme dieses Bilder-Genres: die ungestellten Portraits, die spontan eingefangenen Situationen - auch wenn manche Bilder technisch und kompositorisch eher schlecht sind und man nicht viel darauf erkennen kann. Auf jeden Fall strahlen sie die Freude aus, den bewunderten Star mal auf der Strasse gesehen und ein bisschen belauscht zu haben.

Hier kommen weitere Beispiel, die ich in der letzten Zeit gefunden habe. Sie führen zurück in die Zeit in Wien, als Gustav Mahler Operndirektor war (1897-1907). Ich weiss nicht, ob es auch Bühnentürl-Ansichtskarten von Gustav Mahler gab. Unter der überschaubaren Anzahl von verschiedenen Mahler-Fotografien in der der Literatur und in Biografien gibt es mindestens ein Bild, das Gustav Mahler auf der Strasse zeigt. Es könnte aus der Serie stammen - die Suche geht für mich als Sammler also weiter...
Die Abbildung stammt aus dem Buch von Jens Malte FISCHER: Gustav Mahler, Der fremde Vertraute (2003). Lizenzausgabe Zweitausendeins, S. 541.

Gustav Mahler ca. 1904 auf der Straße (Opernplatz?)


Doch nun zu den neuen Karten. Die erste zeigt Anton Schittenhelm, der hauptsächlich kleinere Rollen an der Wiener Oper sang, dafür in Fülle und über viele Jahre (1875 - 1903) . Einen Wilhelm Schittenhelm gab es nicht an der Wiener Oper, und so wird wohl Anton abgebildet und falsch bezeichnet sein - was bei den Bühnentürl Karten noch an anderer Stelle ebenfalls vorkam (Leier statt Leuer).

Vermutlich Anton (statt Wilhelm) Schittenhelm am Bühnentürl


Schittenhelm, Anton, Tenor, * 14.2.1849 Olbersdorf (Österreichisch-Schlesien), † 14.3.1923 Wien; er trat als Lehrling in ein Bankhaus ein und arbeitete dort als Effektenkassierer. In einem Wiener Männergesangverein wurde seine Stimme entdeckt und durch die Pädagogen Ruff und Friedrich Schmitt ausgebildet. Im Januar 1875 trat er in Wien als Solist bei einer Aufführung der Faust-Sinfonie von Liszt erstmals öffentlich auf. Im Juni des gleichen Jahres debütierte er an der Wiener Hofoper als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. 27 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1903 blieb er ununterbrochen als Mitglied diesem großen Opernhaus verbunden. Sang er im Anfang seiner Karriere dort zumeist kleinere Partien, so wurden ihm später auch Rollen wie der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Lorenzo in »Fra Diavolo« von Auber, der Max im »Freischütz«, der Konrad in »Hans Heiling« von Marschner, der Alfonso in »La Muette de Portici« und der Don Alvaro in »L'Africaine« von Meyerbeer übertragen. Er wirkte auch an der Wiener Hofoper in der Uraufführung einer Oper von Johann Strauß, »Ritter Pazmán«, mit (1.1.1892). Der auch als Konzertsänger bekannte Künstler galt als eins jener vielseitigen Ensemblemitglieder wie sie für den Opernbetrieb unentbehrlich sind. Er starb nach langer schwerer Krankheit 1923 in Wien.
[Lexikon: Schittenhelm, Anton. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21706 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3105 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Nicht besonders gut zu erkennen ist auf dem nächsten Bild der Tenor Georg Maikl, der seit 1904 an der Hofoper in Wien sang und mit zu den Weltrekordhaltern im Punkt Karrierelänge gehört. Ich habe unten bei den Zitaten aus dem Sängerlexikon einige Passagen hervorgehoben, die sich darauf beziehen. Dann folgt noch ein anderes Bild von ihm, damit man auch mal sein Gesicht erkennen kann.



Georg Maikl am Bühnentürl


Maikl, Georg, Tenor, * 4.4.1872 Zell an der Ziller, † 22.8.1951 Wien; sein Vater war ein bekannter Tiroler Jodler, und auch er trat zuerst in einer Jodler- Gruppe auf. Seine Stimme wurde durch den berühmten Impresario Bernhard Pollini in Prag entdeckt und durch Anton Hromada in Stuttgart ausgebildet. Pollini hatte ihn bereits für das von ihm geleitete Hamburger Stadttheater verpflichtet, starb aber vor Beginn des Engagements, so daß Georg Maikl 1899 in Mannheim als Tamino in der »Zauberflöte« debütierte. Nachdem er in Mannheim große Erfolge gehabt hatte, wurde er 1904 an die Wiener Hofoper (seit 1918 Staatsoper Wien) berufen, an der er 40 Jahre lang in insgesamt hundert Partien und in 2160 Vorstellungen aufgetreten ist. Bei den Salzbuger Mozart- Festen von 1906 und 1910 sang er den Don Ottavio im »Don Giovanni«. Auch bei den späteren Salzburger Festspielen trat er immer wieder hervor. Hier wirkte er 1922 als Don Ottavio im »Don Giovanni« und als Belmonte in der »Zauberflöte«, 1926 als Tanzmeister und als Brighella in »Ariadne auf Naxos«, 1936-38 als Kunz Vogelsang in den »Meistersingern«, 1937 als Ägisth in »Elektra« und mehrfach in Konzerten (u.a. 1936 in dem Oratorium »Christus« von F. Liszt) mit. Seine Karriere gehört zu den längsten, die ein Sänger überhaupt gehabt hat. Bis 1944 sang er an der Wiener Staatsoper, wirkte dort aber noch 1950 in einer kleinen Partie in Hans Pfitzners »Palestrina« mit. Er sang an der Wiener Oper auch in der Uraufführung der neu bearbeiteten Richard Strauss Oper »Ariadne auf Naxos« (4.10.1916), 1930 in der Premiere des »Wozzeck« von A. Berg, bereits 1907 den Pinkerton in der Wiener Premiere von Puccinis »Madame Butterfly«, am 1.4.1914 in der Uraufführung von »Notre Dame« von Franz Schmidt, am 20.1.1934 in der Uraufführung der Lehár-Operette »Giuditta«, am 8.12.1934 in der der Oper »Das Veilchen« von Julius Bittner. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Wiener Zentralfriedhof. Seine Tochter Lieselotte Maikl (* 1925) wirkte als Sopranistin an der Staatsoper Wien. - Schöne, ausdrucksvolle Tenorstimme, auf dem Höhepunkt seiner Karriere vor allem im lyrischen Stimmfach bedeutend.

Aufnahmen auf Favorite (Wien, 1905-06, 1908), Lyrophon (Wien, 1905-06), Columbia (Wien, 1905-06), HMV (Wien 1910; 1915 u.a. in einem Quartett zusammen mit Hans Breuer, Carl Rittmann und Lorenz Corvinus), Odeon (Wien, 1906) und Pathé. Elektrische Aufnahmen auf Columbia (9. Sinfonie von Beethoven unter Weingartner), auf Toscanini Edition (»Meistersinger« aus Salzburg, 1937). Auf KochSchwann (Archivaufnahmen der Wiener Staatsoper) erschien die Narraboth-Szene aus »Salome« von R. Strauss mit Maria Jeritza von 1933, außerdem eine »Meistersinger«-Aufnahme mit ihm als Kunz Vogelsang.

[Nachtrag] Maikl, Georg; er gastierte an den größeren Theatern in Österreich und Deutschland, u.a. in Stuttgart, Wiesbaden, Brünn, Prag und an der Komischen Oper Berlin. Er sang an der Wiener Oper in weiteren Premieren, so 1911 den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, 1918 den Narraboth in »Salome« von R. Strauss, 1921 den Victorin in »Die tote Stadt« von Korngold. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich auch der Lyonel in Flotows »Martha«, der Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Manrico im »Troubadour«, der Alfredo in »La Traviata«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Fra Diavolo von Auber und der Thibaut im »Glöckchen des Eremiten« (»Les dragons de Villars«) von Maillart. Die Stadt Wien ließ den beliebten Sänger, der seit 1941 Ehrenmitglied der Staatsoper war, in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestatten.

[Lexikon: Maikl, Georg. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 15094 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 2167 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]

So sieht Georg Maikl in seiner Rolle als Tamino aus:

Georg Maikl als Tamino


Die nächste Karte trägt keine Bezeichnung, vielleicht weil damals jeder wusste, wer abgebildet war. Mir kam der Mann auf dem Bild auch irgendwie bekannt vor, und ich habe immer wieder überlegt woher, bis mich eines Tages der Gedanke durchzuckte: (im Wiener Dialekt zu sprechen) "Geh her! das ist doch der - SLEZAK!"




Das ist doch der Slezak...



Nach weiteren Vergleichen, unter anderem mit einem Privatfoto von ihm, das ich gerade bekommen habe, bin ich mir nun (ziemlich) sicher, dass das Bild oben Leo Slezak zeigt. Ich wusste zwar nicht, dass er manchmal eine Brille trug, aber sonst stimmt alles: die großgewachsene massige Gestalt, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein, der Blick und die Art, leicht ironisch in die Welt zu schauen. Ich schätze, das dieses Bild aus der Zeit nach 1910 stammt und damit das späteste der hier diesmal gezeigten Bilder ist. Das Privatfoto aus München aus ungefähr der gleichen Zeit zeigt nach einer alten Aufschrift auf der Rückseite von links nach rechts: Max Gillmann, Berta Morena und Leo Slezak


Gillmann, Morena und Slezak in München 



Die nächste Karte ist wieder ein Schnappschuss, auf dem man nicht viel erkennen kann. Laut Betitelung zeigt er die Sängerin Marie Gutheil-Schoder (im Gespräch mit zwei Herren). Sie ist mit einem besseren Portrait bereits in der zweiten Folge der Bühnentürl-Bilder hier in diesem Blog vertreten gewesen und dort auch beschrieben worden.



Beim Bühnentürl: Marie Gutheil-Schoder (2)

Auch Berta Förster-Lauterer war in der ersten Folge der Bühnentürl-Bilder schon mit einem Bild mit weißem Kleid in sommerlicher Kleidung vertreten. Hier folgt noch ein Bild aus dem Winter (mit umgehängtem Muff, einem Kleidungsstück, das heute nicht mehr in Mode ist).
Franz Spetrino (ist es der Herr neben ihr oder der kleinere Mann mit dem Stock?) war in der Zeit von Januar 1904 bis August 1908 Dirigent an der Wiener Oper und leitete eine Reihe von Vorstellungen. Damit kann man das Bild zeitlich eingrenzen. Genauer bekommt man es nicht hin. Über das Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper ( https://archiv.wiener-staatsoper.at/ ) habe ich herausbekommen, dass die einzige Oper, die sowohl Berta Förster-Lauterer gesungen als auch Franz Spetrino dirigiert haben, die Oper "Die verkaufte Braut" war. Allerdings sang Berta Förster-Lauterer diese Rolle am einzigen Termin, an dem Spetrino diese Oper dirigierte, nämlich dem 6.März 1906, nicht, sondern erst im Mai 1906 wieder.







Foerster-Lauterer, Berta, Sopran, * 11.1.1869 Prag, † 9.4.1936 Prag; sie war die Tochter eines Prager Kaufmanns. Sie war Schülerin von Antonia Plodková und von Tauwitz in Prag. Sie debütierte 1888 unter dem Namen Berta Lautererová (nach ihrer Heirat Foerstrová-Lautererová) am Nationaltheater von Prag als Agathe im »Freischütz«. Dort hatte sie auch als Sulamith in Goldmarks »Königin von Saba« und als Pamina in der »Zauberflöte« große Erfolge. 1890 heiratete sie den Komponisten Joseph Bohuslav Foerster (1859-1951). 1892 gastierte sie mit dem Ensemble der Prager Oper anläßlich der Weltausstellung in Wien. Hier bewunderte man sie als Xenia in »Dimitrij« von Dvorák. Am 12.2.1889 sang sie an der Oper von Prag in der Uraufführung von Dvoráks »Jakobiner« die Partie der Julia. Sie sang auch in den Prager Premieren von Verdis »Othello« (1888) und Tschaikowskys »Eugen Onegin« (1888), letztere in Anwesenheit des Komponisten. Bis 1893 blieb sie in Prag und wirkte dann 1893-1901 sehr erfolgreich am Stadttheater (Opernhaus) Hamburg, wo sie zuvor als Mignon von A. Thomas und als Marguerite im »Faust« von Gounod gastiert hatte. 1901 folgte sie einem Ruf an die Hofoper von Wien. Sie gehörte zu den großen Sängerpersönlichkeiten der Gustav Mahler-Epoche der Wiener Hofoper und brillierte hier als Adalgisa in »Norma«, als Euryanthe, als Lisa in »Pique Dame«, als Nedda, als Sulamith in der »Königin von Saba«, als Mignon, als Sieglinde in der »Walküre« und als Frasquita im »Corregidor« von Hugo Wolf. Cosima Wagner lud die Sängerin nach Bayreuth ein, doch konnte sie der Einladung nicht Folge leisten. Weitere Gastspiele in Berlin und München. 1914 gab sie ihre Bühnenlaufbahn auf. Sie lebte seitdem in Prag. Aus ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire sind die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Carmen, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in den »Meistersingern«, die Frau Dot in Goldmarks »Heimchen am Herd«, die Marie im »Waffenschmied« von Lortzing, die Frau Fluth in Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor« und die Marie in der »Verkauten Braut« von Smetana nachzutragen. - Man bewunderte die Klangschönheit ihrer Stimme ebenso wie die Wärme und die künstlerische Reife ihres Vortrages.

Von ihr existieren acht seltene Aufnahmen auf G & T (Wien, 1903); einige Titel auf Odeon und Jumbo, darunter auch tschechische Lieder.
[Lexikon: Foerster-Lauterer, Berta. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7807 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1169 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Liste der von Franz Spetrino dirigierten Vorstellungen aus dem Spielplanarchiv der Wiener Oper


Damit wäre ich mit den neuen Karten über die Wiener Hofoper am Ende. Zwei weitere Karten aus Wien möchte ich hier noch präsentieren. Sie zeigen die Operettensängerin Mizzi Zwerenz vor oder besser hinter dem Carltheater in Wien. Dort war sie seit 1901 engagiert. Beide Fotos stammen wohl von Ende 1906. In diesem Jahr wurde die Operette "Künstlerblut" von Edmund Eysler mit Mizzi Zwerenz und Alexander Girardi am 20.Oktober im Carltheater uraufgeführt. Die abgebildeten Plakate weisen auf diese Vorstellungen hin.



Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (1)

Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (2)



Zwerenz, Mizzi, Sopran, * 13.7.1876 Pöstyn (Pistyan, Ungarn), † 14.6.1947 Wien; ihr Vater, Carl Ludwig Zwerenz, war Schauspieler und später Theaterdirektor an verschiedenen Theatern in der österreichisch-ungarischen Monarchie, u.a. in Bozen, Meran, Iglau, Teplitz, Hall in Oberösterreich (wo 1880 Gustav Mahler seine Dirigentenlaufbahn unter ihm begann) und Preßburg (Bratislava); ihre Mutter war Operettensängerin. Sie war eine Urenkelin des Burgschauspielers Karl Ludwig Costenoble (1769-1837). Ihre Ausbildung erfolgte durch die berühmte Pädagogin Rosa Papier-Paumgartner in Wien. Sie betrat erstmals die Bühne 1897 in Baden bei Wien und kam schnell zu einer großen Karriere als Operettensoubrette. Nachdem sie am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater in Berlin 1900-1901 sehr erfolgreich aufgetreten war, berief man sie 1901 an das Wiener Carl- Theater. Hier erreichte ihre Karriere in einer fast zwanzigjährigen Dauer (bis 1923 mit Unterbrechungen) ihren Höhepunkt; sie gehörte zu den beliebtesten Operettensängerinnen der Donaumetropole. Nachdem sie 1915-18 am Wiener Apollo-Künstlertheater und 1919-21 am Wiener Komödienhaus aufgetreten war, kam sie wieder an das Carl-Theater zurück und setzte dort 1921-23 ihre glänzende Karriere fort. 1923 wechselte sie an das Theater an der Wien, wo ihre Künstlerlaufbahn, zuletzt im Rahmen von Gastspielen, 1936 zum Ausklang kam. Zwischendurch hatte 1926-27 ein kurzes Engagement am Wiener Stadttheater bestanden. 1908 gastierte sie in Graz, 1906 am Stadttheater von Brünn (Brno), seit 1906 oftmals am Deutschen Theater Prag, 1928 am Gärtnerplatztheater München. Zu den Glanzrollen der Sängerin, die auch als hervorragende Schauspielerin galt, gehörten die Adele in der »Fledermaus«, die Titelrolle in »Sissy« von F. Kreisler, vor allem aber die Franzi Steingruber in »Ein Walzertraum« von Oscar Straus; letztere Partie hatte sie auch am 2.3.1907 in der Uraufführung der Operette am Carl-Theater gesungen. Sie wirkte in vielen weiteren Operetten-Uraufführungen mit, u.a. in »Das süße Mädel« von H. Reinhardt (Carl-Theater 1901), »Fesche Geister« von C.M. Ziehrer (1905 Sommertheater »Venedig« in Wien), »Die Schützenliesl« von E. Eysler (1905), »Künstlerblut« ebenfalls von E. Eysler (1906), »Die geschiedene Frau« von Leo Fall (1908), »Zigeunerliebe« von Franz Lehár (8.1.1910), »Polenblut« von O. Nedbal (1913) - die letztgenannten fünf alle im Carl Theater. Am Theater an der Wien hörte man sie in den Uraufführungen der »Zirkusprinzessin« von E. Kálmán (26.3.1926) und in E. Eyslers »Die gold'ne Meisterin« (13.9.1927). - Sie war verheiratet mit dem Gesangs- und Charakterkomiker Arthur Guttmann (* 1.7.1877 Wien, † 3.6.1956 Wien), der einer Schauspielerfamilie angehörte, 1896 seine Karriere in Budweis (Ceské Budejovice) begann und schließlich an den großen Wiener Operettentheatern, teilweise Auftritte zusammen mit seiner Gattin (u.a. auch in der Uraufführung des »Walzertraums«), bekannt wurde. Ihr Sohn, Fritz Zwerenz (1895-1970), wirkte als Dirigent an verschiedenen Operettentheatern.

Die Stimme von Mizzi Zwerenz, die neben Louise Kartousch die große Diva des »silbernen Zeitalters« der Wiener Operette war, erscheint auf G & T (Wien, 1902-07), später auf HMV-Schallplatten (seit 1908), elektrische Aufnahmen auf Kalliope; auch von Arthur Guttmann existieren Aufnahmen auf G & T und HMV.
[Lexikon: Zwerenz, Mizzi. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 26619 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3826 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Carltheater, aus: Wiener Theateralmanach 1902



Zuletzt noch ein schönes Foto, das nicht aus Wien stammt, sondern aus Graz. Es zeigt die ehemalige Operetten- und damals angehende Opernsängerin Anny Münchow am Hintereingang des Theaters, wo sie engagiert war. Sie schaut, wie auf vielen Fotos von ihr, mit hellen, offenen, strahlenden Augen in die Kamera. Ihre Präsenz und Kommunikationsfähigkeit mit dem Publikum drückt sich in diesem Foto aus. Neben ihr steht melancholisch der alte Portier und raucht sich eine Zigarette, während im Hintergrund Menschen aus dem Publikum schauen, was denn da wohl fotografiert wird. Ein gelungener Schnappschuss!



Anny Münchow live (1)


Münchow, Anny, Sopran, * 6.11.1888 Berlin, † 6.5.1968 Berlin; ihr eigentlicher Name war Anny Münchmeier. Sie begann ihre Bühnenkarriere am Theater von Teschen (Cieszyn), wo sie 1910-11 auftrat. 1911 war sie in Breslau, 1912-13 in Meran, 1913-14 in Nürnberg engagiert. Zu Beginn ihrer Karriere sang sie vornehmlich Operettenpartien und kleinere Soubrettenrollen. 1914-20 trat sie am Theater von Graz in großen Opernpartien auf. 1920 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg als Myrtocle in der dortigen Premiere der Oper »Die toten Augen« von d'Albert. Der Erfolg war so überzeugend, daß sie sogleich an die Hamburger Oper engagiert wurde. Hier sang sie dann am 4.12.1920 in der Uraufführung von Korngolds »Die tote Stadt« die Partie der Marietta (am gleichen Abend fand noch eine zweite Uraufführung der Oper in Köln statt). Bis 1933 gehörte sie als führendes Mitglied dem Hamburger Ensemble an und vertrat hier vor allem das dramatische wie das Wagner-Fach. Ihre großen Rollen waren die Senta im »Fliegenden Holländer« (die sie 1933 als letzte Partie in Hamburg sang), die Aida, die Elektra in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, die Salome, ebenfalls von Richard Strauss, die Martha in »Tiefland« von d'Albert, die Venus im »Tannhäuser« und die Brünnhilde im Ring-Zyklus. Sie gastierte mit großem Erfolg an den Staatsopern von Berlin und Wien.

Leider sind von ihrer Stimme keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
[Lexikon: Münchow, Anny. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 17256 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2461 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




Und weil es so schön ist, hier noch ein weiteres lebendiges Foto von Anny mit einem unbekannten Herrn. Und damit soll es für heute genug sein!

Anny Münchow live (2)





Freitag, 7. April 2017

In Wien am Bühnentürl (3)


Hier kommen noch einmal drei Bilder aus der Serie "Am Bühnentürl", die ich in den letzten Wochen gefunden habe. Das erste zeigt den Tenor und Regisseur August Stoll (vermutlich der Mann mit der Zigarre).


Am Bühnentürl: Prof. August Stoll







Stoll, August, Tenor, * 3.1.1853 Hermannstadt (Sibiu in Siebenbürgen), † 12.7.1918 Wien; er war der Sohn des Tenors Peter Stoll, (1813-88) der 33 Jahre lang als erster Tenor in Budapest wirkte und auch in Wien gastiert hatte. Ursprünglich sollte August Stoll Theologie studieren, doch wandte er sich dem Theater zu, wobei er durch seinen Vater ausgebildet wurde. Er debütierte 1869 als Chorsänger am Theater von Laibach (Ljubljana) und war dann als Schauspieler und Operettensänger in Bozen, Preßburg (Bratislava), Olmütz (Olomouc), schließlich am Wiener Carl-Theater tätig. Er ging darauf wieder nach Laibach zurück, jetzt aber als Opernsänger, und wirkte 1873-75 in Graz auf den Gebieten des Opern- wie des Operettengesangs. 1875 kam er an das Deutsche Theater Prag und hatte bereits in seiner Antrittsrolle, dem Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, einen sensationellen Erfolg. Er sang in den folgenden Jahren dort eine Vielzahl von Partien, darunter auch Aufgaben aus dem heldischen Fach wie den Assad in der »Königin von Saba« von Goldmark und den Titelhelden in Wagners »Rienzi«. Wegen Überanstrengung seiner Stimme mußte er seine Karriere unterbrechen, trat aber 1884 in Prag wieder in Millöckers »Bettelstudent« auf. Noch im gleichen Sommer 1884 folgte er einem Ruf an das Theater an der Wien in Wien. Seine Erfolge an dieser Bühne waren so überzeugend, daß er im Winter 1888 an die Wiener Hofoper verpflichtet wurde, an der sein José in »Carmen« großes Aufsehen erregte. 1885 übertrug man ihm an der Hofoper die Inszenierung von Maillarts »Glöckchen des Eremiten« (»Les dragons de Villars«); seitdem war er an der Wiener Hofoper als Regisseur beschäftigt, sang aber auch noch kleinere Partien. 1890-1901 war er Professor am Wiener Konservatorium, zugleich auch Solist der Kaiserlichen Hofkapelle. Er komponierte mehrere kleinere Vokalwerke und eine Operette »Die Georginen«. - In erster Ehe war der Künstler mit der Sopranistin Josefine Stoll-Siegmund († 15.2.1896 Wien) verheiratet, die vor allem am Opernhaus von Brünn (Brno) in Soubrettenpartien auftrat. Seine Schwester Gisela Stoll (* 1867) brachte es als dramatische Sopranistin zu einer erfolgreichen Karriere.
[Lexikon: Stoll, August. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 23396 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3356 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Das zweite Bild zeigt den Tenor Arthur Preuss, der ebenso wie Fritz Schrödter als Tenor an der Wiener Oper wirkte.

Beim Operntheater Bühnentürl: Arthur Preuss



Preuss, Arthur, Tenor, * 23.2.1878 Königsberg (Ostpr.), † 20.8.1944 Wien; ausgebildet in Berlin durch Benno Stolzenberg und durch Franz Krolop. Er wurde durch Gustav Mahler an die Wiener Hofoper berufen, an der er 1899 debütierte. Er spezialisierte sich dort auf das Buffo-Fach. Beim Wiener Opernpublikum wurde er ungewöhnlich beliebt. 1906 sang er beim Salzburger Mozart-Fest, am 2.1.1908 an der Wiener Hofoper in der Uraufführung von Goldmarks »Ein Wintermärchen«, am 14.4.1910 in der von Julius Bittners »Der Musikant«, am 6.2.1912 in der Uraufführung von »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert. Bis 1915 blieb er an der Wiener Hofoper und gastierte während dieser Zeit an der Oper von Köln. 1915 wechselte er an die Volksoper in Wien. Hier feierte man ihn 1916 in der Uraufführung der Operette »Dreimäderlhaus« von Berté in der Partie des Schubert. Zu seinen großen Opernpartien gehörten der David in den »Meistersingern«, der Jacquino im »Fidelio«, der Wenzel in der »Verkauften Braut« von Smetana, der Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, der Benjamin in »La Poupée de Nuremberg« von A. Adam und der Dickson in »La Dame blanche« von Boieldieu. Große Erfolge auch als Konzert-Tenor und als Interpret zeitgenössischer Vokalmusik; so sang er 1919 die »Gurrelieder« von Schönberg in Wien. Bis 1930 gastierte er noch an der Wiener Volksoper und trat im Österreichischen Rundfunk sowie bei Konzerten auf. Er betätigte sich auch selbst als Komponist und schrieb u.a. Filmmusik, Lieder und andere vokale Werke. Er wirkte in Wien auch als Pädagoge. Das Ende des Künstlers gestaltete sich tragisch. Er brach während eines Gestapo-Verhörs in Wien (bei dem es sich um seinen Sohn handelte, der als Widerstandskämpfer im Untergrund wirkte) tot zusammen. Wenige Wochen später wurde sein Haus in Wien bei einem Bombenangriff zerstört, wobei seine Gattin den Tod fand.

Seine klangschöne, ausdrucksgewandte Stimme ist durch Schallplatten der Marken G & T (Wien, 1905-07) und HMV (Wien, 1905-13) erhalten.
[Lexikon: Preuss, Arthur. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 19612 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2803 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Zuletzt noch ein weiteres, drittes  Foto des im letzten Beitrag vorgestellten Bassisten Benedikt Felix (1860-1912). Auch hier raucht er wieder...


Beim Operntheater Bühnentürl:Benedikt Felix (3)









Mittwoch, 8. Februar 2017

In Wien am Bühnentürl (2)

Bereits 2013 habe ich ein paar Ansichtskarten, die Szenen "am Bühnentürl" der Wiener Hofoper zeigen (HIER), veröffentlicht. Mittlerweile sind einige Karten aus der Serie in meiner Sammlung dazugekommen, so dass ich hier eine Fortsetzung präsentieren kann.

Als erstes gibt es zwei Karten  mit dem Bass Benedikt Felix. Die erste ist wohl im Sommer aufgenommen, die zweite eher im Frühling oder Herbst.




Am Bühnentürl: Benedikt Felix 1

Am Bühnentürl: Benedikt Felix 2


Das Sängerlexikon schreibt über ihn:


Felix, Benedikt, Baß, * 28.9.1860 Budapest, † 2.3.1912 Wien; sein eigentlicher Name war Felix Groß, er war der Sohn des Redakteurs der Kaiserlichen Wiener Zeitung Dr. Carl Groß, absolvierte die Handelsakademie Wien, ging dann aber zum Theater. 1880 betrat er am Theater von Mödling erstmals die Bühne, ging dann nach Iglau und trat einer Operettentruppe bei, mit der er eine Italien-Tournee unternahm. Er begann dann jedoch ein seriöses Gesangstudium bei den Pädagogen Hermann Grün und Johannes Ress in Wien. 1882 kam er an das Wiener Carl-Theater, 1883 an die Hofoper der österreichischen Metropole. Er debütierte an diesem Haus in einer kleinen Rolle in den »Hugenotten« von Meyerbeer. Seinen ersten großen Erfolg hatte er in Wien als Dulcamara in Donizettis »Elisir d'amore«; er blieb nun bis zu seinem Tod als erster Baß-Buffo dort im Engagement. Am 16.2.1892 sang er an der Wiener Hofoper in der Uraufführung von Massenets »Werther« die kleine Partie des Johann. Von den sonstigen Partien, die er dort gesungen hat, sind zu nennen: der Beckmesser in den »Meistersingern«, der Heerrufer im »Lohengrin«, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Laërtes in »Mignon« von Thomas, der Hans in Lortzings »Undine«, der Falke wie der Frosch in der »Fledermaus«, der Giacomo wie der Lord in »Fra Diavolo« von Auber, dazu viele kleinere und mittlere Rollen. Seine Tätigkeit an der Wiener Hofoper wurde durch Differenzen des Sängers mit dem Direktor Gustav Mahler, der 1898-1907 das Haus leitete, schwer belastet, doch blieb der Sänger in seinem Engagement.

Schallplatten: Sieben Titel auf G & T (Wien, 1902), ein Pathé-Zylinder (Wien, 1903).
[Lexikon: Felix, Benedikt. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7390 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1107 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Ich kenne seine Stimme nicht und habe noch keine seiner wenigen Schallplatten gehört. Bekannter und vertrauter ist mir der Tenor Fritz Schrödter, der ebenfalls mit zwei Karten vertreten ist.


Fritz Schrödter am Bühnentürl 1

Fritz Schrödter am Bühnentürl 2



Schrödter, Fritz, Tenor, * 15.3.1855 Leipzig, † 16.1.1924 Wien; besuchte zuerst die Kunstakademie in Düsseldorf, in der Absicht Maler zu werden, ließ dann aber seine Stimme ausbilden. Er begann seine Karriere als Operettensänger bei kleineren Operetten-Gesellschaften in Köln, Hamburg und Bremen. Als er am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater in Berlin gastierte, hörte ihn Johann Strauß, der ihm 1876 ein Engagement am Nationaltheater von Budapest vermittelte. 1877 kam er als Operettentenor an das Ring-Theater in Wien, studierte dann aber Operngesang bei dem Kapellmeister Stoltz in Prag. Sein Debüt als Opernsänger fand 1879 am Deutschen Theater in Prag statt. Hier blieb der Künstler bis 1886 und trat u.a. als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Herzog im »Rigoletto«, als Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli und als David in den »Meistersingern« auf. 1884 gastierte er an der Covent Garden Oper London unter Hans Richter. 1886 wurde er an die Hofoper von Wien berufen; man schätzte ihn in Wien vor allem als Buffo-Tenor, aber auch im lyrischen Fach. Hier sang er in drei Uraufführungen von Opern von Karl Goldmark: am 19.11.1886 in »Merlin«, am 21.3.1896 in »Das Heimchen am Herd«, am 2.1.1900 in »Ein Wintermärchen«, am 6.2.1912 in »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert, auch 1889 in der Premiere von Webers »Die drei Pintos« in der Neu-Bearbeitung von Gustav Mahler. Von den Partien, die er in Wien übernahm, seien der Tonio in der »Regimentstochter« von Donizetti, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, die Titelrollen in »Fra Diavolo« von Auber und »Alessandro Stradella« von Flotow, der Canio im »Bajazzo«, der Assad in Goldmarks »Königin von Saba« und der Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« von Lortzing genannt. Bis 1915 blieb er Mitglied der Wiener Oper. Er gastierte 1884 am Deutschen Theater Prag, 1890 am Theater von Brünn, 1901 an der Hofoper von München (als David in den »Meistersingern«), 1911 am Opernhaus von Köln (als Eisenstein in der »Fledermaus«). 1898-1900 wirkte er bei den Festspielen von Wiesbaden mit. Am 15.1.1916 sang er am Wiener Raimund- Theater in der Uraufführung der Operette »Das Dreimäderlhaus« von H. Berté den Schubert. Er war gleichzeitig ein hoch angesehener Konzertsänger; so wirkte er in Wien in der Uraufführung von »Das klagende Lied« von Gustav Mahler (17.2.1901) mit. Er lebte nach seinem Abschied von der Bühne als Pädagoge in Wien; er war der Schwiegervater des Bassisten Wilhelm Hesch (1860-1908). Er besaß eine Tenorstimme von besonderer musikalischer Schönheit.

Schallplatten der Firmen G & T (Wien, 1902) und HMV.
[Lexikon: Schrödter, Fritz. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 22025 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3153 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Als nächstes folgt eine Gruppenaufnahme. Sie zeigt die Sängerin Berta Kiurina mit zwei weiteren, mir unbekannten Personen. An der Wiener Oper gab es eine Sängerin Karoline Skositz, die 1888 bis 1893 in 30 Vorstellungen von "Am Wörthersee" und in 2 Vorstellungen von "Die Pupenfee" auftrat. Vielleicht ist der Herr neben Berta Kiurina ihr Ehemann oder ein Verwandter. Über einen Herrn Abel, rechts halb abgeschnitten mit Hut im Bild, konnte ich nichts herausfinden


Berta Kiurina mit Skositz und Abel








Kiurina, Berta, Sopran, * 18.2.1882 Linz/Donau, † 3.5.1933 Wien; sie studierte anfänglich Klavierspiel am Konservatorium der Stadt Wien bei Fischhof, dann Gesang bei Geiringer. Ihr Debüt erfolgte 1904 am Theater ihrer Vaterstadt Linz. Bereits 1905 wurde sie an die Wiener Hofoper (seit 1918 Staatsoper Wien) berufen (Antrittsrolle: Hirtenknabe im »Tannhäuser«), deren Mitglied sie bis 1922 geblieben ist. Hier sang sie u.a. 1910 die Arsena in der ersten Aufführung der Johann Strauß-Operette »Der Zigeunerbaron« an der Wiener Hofoper, 1912 in der Uraufführung der Oper »Die verschenkte Frau« von Eugen d'Albert, 1919 den Ighino in der Erstaufführung von Hans Pfitzners »Palestrina«. 1906 gastierte sie beim Salzburger Mozart-Fest in der Partie des Cherubino in »Figaros Hochzeit«, 1927 sang sie nochmals die gleiche Partie bei den Salzburger Festspielen. Im gleichen Jahr übernahm sie bei diesen Festspielen das Sopransolo in der Missa solemnis von Beethoven. Bis 1927 trat sie noch regelmäßig als Gast an der Wiener Staatsoper auf, u.a. 1926 in der Premiere der Oper »Turandot« von Puccini. Sie gastierte an den Opernhäusern von Brünn (Brno), Zagreb (Agram), Belgrad, Budapest, Triest, Breslau und an der Städtischen Oper Berlin. 1928 hatte sie bei einem längeren Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires große Erfolge. Auch als Konzertsolistin kam sie zu einer bedeutenden Karriere, wobei sie auch in zeitgenössischen Werken auftrat; so galt sie als hervorragende Interpretin der »Gurrelieder« von A. Schönberg. In erster Ehe war sie mit dem Tenor Hubert Leuer (* 1880 Köln, † 8.3.1969 Wien) verheiratet, der ebenfalls an der Wiener Hofoper engagiert war. - Koloratursopran von besonderer Schönheit; man bewunderte vor allem die mühelose Beweglichkeit der Stimme in den hohen und höchsten Lagen. Sie sang ein Repertoire von ungewöhnlichem Umfang, das neben eigentlichen Koloraturpartien auch die Desdemona in Verdis »Othello«, die Nedda im »Bajazzo« und die Eva in den »Meistersingern« enthielt.

Schallplatten: Aufnahmen unter den Etiketten von Odeon, Zonophone, Polydor, Polyphon, Parlophon und Ultraphon. Auf Pathé singt sie zwei Duette zusammen mit ihrem Gatten Hubert Leuer (Wien, 1914; die einzigen Aufnahmen seiner Stimme).

[Nachtrag] Kiurina, Berta; 1922 trat sie in Berlin als Solistin in der Uraufführung der Kantate »Von deutscher Seele« von Hans Pfitzner auf.

[Lexikon: Kiurina, Berta. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 12596 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 1829 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Der Ehemann von Berta Kiurina war der Tenor Hubert Leuer, hier fälschlich als Hubert LEIER bezeichnet.

Beim Bühnentürl: Hubert Leuer



Leuer, Hubert, Tenor, * 12.10.1880 Köln, † 8.3.1969 Wien; er erhielt seine Ausbildung zum Sänger am Konservatorium seiner Heimatstadt Köln. Seine Stimme wurde durch den berühmten Direktor der Wiener Hofoper Gustav Mahler entdeckt, der ihn 1904 an dieses Haus verpflichtete. Nach seinem dortigen Debüt als David in den »Meistersingern« blieb er bis 1920 Mitglied der Hof- und späteren Staatsoper Wien, an der er noch bis 1932 immer wieder als Gast in Erscheinung trat. 1926-27 war er an der Wiener Volksoper, 1927-30 am Opernhaus von Leipzig engagiert. Häufige Gastspiele am Opernhaus von Brünn (Brno, 1908-32), 1915 auch am Deutschen Theater Prag. Nachdem er zuerst in lyrischen Partien aufgetreten war, ging er in das heldische Stimmfach über und wurde als Titelheld in Verdis »Othello« als Herodes in »Salome« wie als Menelas in der »Ägyptischen Helena« von R. Strauss, als Cavaradossi in »Tosca«, vor allem aber als Wagner-Interpret (Titelfiguren in »Tristan«, »Rienzi«, »Parsifal«, Siegfried im Nibelungenring) bekannt. Ausgedehnte Gastspiele brachten dem Künstler an der Nationaloper Budapest, in Berlin, Barcelona und Graz wie an vielen anderen Bühnen Erfolge. Seine Gattin war die bekannte Koloratursopranistin Berta Kiurina (1882-1933), die ebenfalls zu den führenden Sängerpersönlichkeiten der Wiener Oper zählte. Ein Sohn aus dieser Ehe, Hubert Leuber-Kiurina, war als Schauspieler in Deutschland und Österreich tätig.

Die Stimme von Hubert Leuer ist durch zwei Pathé Schallplattenaufnahmen überliefert (Duette mit Berta Kiurina).
[Lexikon: Leuer, Hubert. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 14261 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 2055 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Marie Gutheil-Schoder ist die nächste Sängerpersönlichkeit, die am Bühnentürchen abgebildet ist.



Am Bühnentürl: Marie Gutheil-Schoder


Gutheil-Schoder, Marie, Sopran, * 16.2.1874 Weimar, † 4.10.1935 Ilmenau (Thüringen); sie wár die Tochter eines Gastwirts in Weimar; mit zwölf Jahren sang sie bereits ein Solo in einem Konzert in Weimar. Sie besuchte die Großherzogliche Musikschule in Weimar und war dort auch Schülerin von Virgina Naumann-Gungl. Weitere Ausbildung durch Fedor von Milde; einige Opernpartien studierte sie mit Richard Strauss ein. Sie debütierte 1891 am Hoftheater von Weimar als 1. Dame in der »Zauberflöte«, wurde aber dort in den ersten Jahren nur in kleinen Rollen eingesetzt und sang 1891 im Bayreuther Festspiel- Chor. Dann hatte sie aber 1895 in Weimar einen entscheidenden Erfolg als Carmen. 1899 gastierte sie in Leipzig (als Nedda im »Bajazzo«, als Santuzza in »Cavalleria rusticana« und als Frau Fluth in den »Lustigen Weibern von Windsor«), Berlin und Wien. 1900 wurde sie durch Gustav Mahler (der sie als »musikalisches Genie« bezeichnete) an die Wiener Hofoper berufen und wurde nun eine der beliebtesten Sängerinnen dieses traditionsreichen Opernhauses. Sie sang hier in mehreren wichtigen Premieren: 1908 die Martha in »Tiefland« von d'Albert, 1909 die Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss, 1911 den Octavian im »Rosenkavalier«. 1904 übernahm sie in Wien die Titelrolle in Glucks »Iphigenie in Aulis«, 1910 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Der Musikant« von Julius Bittner mit, 1912 in der von Eugen d'Alberts »Die verschenkte Frau«, 1914 in der von »Notre Dame« von Franz Schmidt. Beim Salzburger Mozart-Fest von 1906 trat sie als Susanna in »Figaros Hochzeit« auf. 1902-10 gastierte sie oft am Opernhaus von Frankfurt a.M. Sie setzte sich unermüdlich für die zeitgenössische Musik ein und sang bereits 1908 Werke von Arnold Schönberg in dessen »Verein für musikalische Privataufführungen«. 1908 sang sie in Wien das Sopransolo in Schönbergs zweitem Streichquartett. Am 6.6.1924 gestaltete sie dessen Monodrama »Erwartung« in der Uraufführung am Deutschen Theater Prag. 1924 führte sie Schönbergs »Pierrot lunaire« bei einer Aufführung des Werks in Berlin zum entscheidenden Erfolg. Bis zum Jahre 1926 ist die gefeierte Künstlerin in Wien bewundert worden, wo sie sich in der Partie der Elektra von Richard Strauss von ihrem Publikum verabschiedete. Sie betätigte sich an der Wiener Oper wie auch bei den Festspielen von Salzburg als verdiente Opern-Regisseurin (1926 »Don Giovanni«, 1930 »Iphigenie in Aulis« von Gluck). 1913 Gastspiel an der Covent Garden Oper London als Octavian. - In erster Ehe war sie mit dem Dirigenten Gustav Gutheil (1868-1914), in zweiter mit dem Fotografen Franz Setzer verheiratet. - Musikalisch vortrefflich gebildete, ausdrucksstarke Sopranstimme, die Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur zu meistern wußte; bedeutend auch als Konzertsopranistin. Auf der Bühne zumal als Carmen, als Pamina, als Elektra, als Cherubino in »Figaros Hochzeit«, als Donna Elvira, als Octavian im »Rosenkavalier« wie als Komponist in »Ariadne auf Naxos« bewundert worden. Eine der großen Darstellerinnen unter den Sängerinnen ihrer Generation.

Ihre Stimme ist durch sieben sehr seltene Schallplatten der Marke G & T (Wien, 1902) überliefert.

[Nachtrag] Gutheil-Schoder, Marie, * 16.2.1874 Weimar; Gastspiele der Sängerin fanden an der Berliner Hofoper (1900, 1923 an der Staatsoper Berlin als Elektra), an den Hofopern von München (1909-19) und Dresden (1916), am Deutschen Theater Prag (1900-1906) sowie am Stadttheater von Basel (1917) statt. Sie wurde zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 1921 trat sie in Kopenhagen in Schönbergs »Pierrot lunaire« auf. Aus ihrem Repertoire für die Opernbühne sind die Despina in »Così fan tutte«, die Frau Fluth in Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor«, die Venus im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin«, die Katharina in »Der Widerspenstigen Zähmung« von H. Goetz, die Baronin im »Wildschütz« von Lortzing, die Maliella im »Schmuck der Madonna« von E. Wolf-Ferrari, die Manon in der gleichnamigen Oper von Massenet, die vier Frauenrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, die Louise von Charpentier und der Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer zu nennen.


[Lexikon: Gutheil-Schoder, Marie. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 9863 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1455 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Nicht nur am Operntheater, sondern auch an anderen Wiener Theatern standen die frühen Paparazzi bereit, um die Stars in einem privaten Moment abzulichten. Hier ist die Operettensängerin Gerda Walde zu sehen, die am Wieder Orpheum auftrat.








Auch am Schauspiel wurden die Stars fotografiert, wenn sie aus dem Theater kamen - hier der Schauspieler Otto Tressler. (Dieses Bild habe ich im Internet gefunden. Die Qualität der Reproduktion ist nicht so gut wie bei den anderen.)






Burgtheater Bühnentürl: Schauspieler Otto Tressler

Auch die letzte Karte stammt aus dem Internet und zeigt eine Operetten-Diva. Mizzi Günther sitzt in ihrem Automobil am Ausgang des Theater an der Wien und wartet auf ihren Fahrer - eine sehr schöne Karte und sogar handsigniert. Ich hätte sie gerne erworben, aber sie war mir letztendlich dann doch zu teuer...




Beim Theater an der Wien: Mizzi Günther

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mesothorium-Konzert in München 1913

Bei Anbietern von Ansichtskarten im Internet stößt man immer wieder einmal auf eine Karte, die eine Gruppe festlich gekleideter Menschen zeigt und den Untertitel "Mesothorium-Konzert" trägt. Ich habe einmal recherchiert, was es mit diesem Konzert auf sich hat.





Mesothorium ist die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für ein radioaktives Nuklid (bzw. sogar für zwei, nämlich für Radium 228 oder Actinium 228). Es wurde in der Anfangszeit der medizinischen Entwicklung von Bestrahlungen gegen Krebs vorwiegend für Gebärmutterkrebs eingesetzt. 1913 wollte der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in München, Albert Döderlein, diese Methode einführen.


Da das Material in damaligen Zeiten sehr teuer war, versicherte er sich der Unterstützung des Prinzregenten und organisierte ein Benefizkonzert. Da die oben gezeigt Karte öfter auftaucht, vermute ich, dass die Karten ebenfalls für den wohltätigen Zweck der Anschaffung medizinischen Materials verkauft wurden.



Jedenfalls wurde am 29.VIII.1913 ein Opernkonzert mit vielen bekannten Sängern veranstaltet, die zu diesem Zweck zusammenkamen. Es fand im "Königlichen Odeon" in München statt und begann um 20 Uhr. Das Gruppenfoto ist wohl in diesem Rahmen auf einem Empfang vorher oder nachher entstanden. Die Namen der abgebildeten Personen sind auf dem Bild nicht angegeben. Zum Glück fand ich im Internet die abgebildete Rückseite einer solchen Ansichtskarte vom Konzert, auf der jemand minutiös (fast) alle Namen der Fotografierten aufgeführte hatte. Ich habe die Angaben mit Fotos der Bezeichneten verglichen und kann nun die meisten Personen auf dem Foto benennen.



Fangen wir also an...




Auf der linken Seite sehen wir ganz aussen Ernst von Possart (1841-1921), Er war damals ein sehr bekannter Schauspieler und von 1873 bis 1887 und dann noch einmal von 1893 bis 1905 Direktor des Münchener Thaters, was ihm schließlich den Adelstitel einbrachte.

Bei der zweiten Person von links handelt es sich wahrscheinlich um Hermann Zilcher (1881-1948), der als Dirigent und Komponist zeitweise in München lebte. Ich vermute, dass er der Dirigent des Abends war. Andererseits sieht er für einen 32jährigen etwas alt aus.

Die dritte Person von links wird auf der Liste als "Max Krauß, Aachen" bezeichnet. Ich habe noch nie von diesem Sänger gehört, aber wurde im Sängerlexikon fündig:
"Krauß, Max, Baß-Bariton, * 1.10.1886 Sodingen bei Herne (Westfalen), † 29.10.1968 Coburg; er begann ein Jurastudium, verlegte sich dann aber auf die Ausbildung seiner Stimme, die in München stattfand. Er debütierte 1911 am Stadttheater von St. Gallen, kam von dort 1913 an das Stadttheater Aachen, war dann aber nach 1916, abgesehen von einem kurzen Engagement am Hoftheater Hannover 1916-17, nur gastierend tätig. Hierbei trat er vor allem in Wagner-Partien auf: als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin«, als Hans Sachs in den »Meistersingern«, als Kurwenal im »Tristan«, als Wotan im Nibelungenring und als Amfortas im »Parsifal«. Gastspiele führten ihn u.a. an die Hofoper Dresden (1914), an das Théâtre de la Monnaie Brüssel (1914 in Aufführungen des Ring-Zyklus), an das Stadttheater von Zürich (1915), an das Opernhaus von Leipzig (1915-16 und 1919), nach Den Haag (1922) und Madrid, nach Basel und Bukarest und nach dem Ersten Weltkrieg an die Staatsopern von München, Berlin und Wien. Daneben entfaltete er eine ausgedehnte Tätigkeit als Konzert- und Liedersänger, wobei er namentlich mit Loewe-Balladen erfolgreich war; er kreierte aber auch verschiedene Lieder von Othmar Schoeck. Diese Tätigkeit setzte er bis zum Beginn der dreißiger Jahre fort. Dann wurde er 1932-33 Oberregisseur am Stadttheater von Lübeck; 1933-36 war er Operndirektor und stellvertretender Intendant am Staatstheater von Kassel, 1936-38 Intendant am Theater von Saarbrücken. 1940-43 bekleidete er die gleiche Position am Theater von Reichenberg in Böhmen (Liberec) und, nach einer Unterbrechung dieser Karriere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949-52 nochmals am Landestheater Coburg. Zuletzt lebte er im Ruhestand am Tegernsee.
[Lexikon: Krauß, Max. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 13186 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 1908 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]"

Man fragt sich, warum dieser Sänger bei der "All Stars-Besetzung" dabei sein durfte, zumal ja das Fach des Basses schon reichlich vertreten war.

Die vierte, ebenfalls wie Krauß halb verdeckte Person ist der erste bekannte Sänger in der Reihe. Es handelt sich um Fritz Feinhals (1869-1940), der von 1898 bis 1927 an der Hof- und später Staatsoper in München sang. Seine markante Gestalt ist gut zu erkennen.




Vor ihm, als fünfter von links, steht der Bass Max Gillmann (1874-1926), der seit 1906 an der Münchner Hofoper sang. Seine untersetzte Gestalt mit dem runden Gesicht ist auch unter der Maske des Landgrafen im Tannhäuser noch zu erkennen.



Hinter Max Gillmann sieht man den Kopf des Basses Carl Braun (1886-1960), der zum Zeitpunkt des Konzertes an der Städtischen Oper in Berlin engagiert war, aber durch seine Auftritte in Bayreuth (zwischen 1909 und 1931) bekannt war.

 

(Ausschnitt linke Seite)

Carl Braun mit Hund in Bayreuth

Nun folgt mit Maude Fay (1878-1964) die erste Sängerin. Die geborene Amerikanerin war von 1906 bis 1914 in München verpflichtet und wechselte dann an die Met nach New York, wo sie noch ein paar Jahre sang. Nach ihrer Verheiratung 1917 zog sie sich weitgehend aus dem Musikleben zurück. Auf einer anderen Ansichtskarte kann man sie trotz Schleier gut wiedererkennen.

Maude Fay (1878-1964)

Der Mann zwischen den beiden Damen ist Paul Bender (1875-1947), der ab 1903 30 Jahre lang erster Bass am Opernhaus München war. Er ist ebenfalls eindeutig zu erkennen.


Die zweite Dame von rechts ist Hermine Bosetti (1875-1936), die von 1901 bis 1924 in München sang. In meinem anderen Blog kann man sich Schallplattenaufnahmen von ihr herunterladen.


Hermine Bosetti (1875-1936)

Hinter Bosetti steht im Hintergrund ein älterer Herr, der anscheinend eine Art Orden um die Brust trägt.
Er wird vom Chronisten der Auflistung als "von Enderlein" bezeichnet. Ich vermute, dass es sich um irgend einen Münchner Honoratioren handelt, Es gibt zwar den Tenor Emil Enderlein (1887-?), der von 1912 bis 1916 in Dresden sang und 1925 bei den Bayreuther Festspielen immerhin den Walther von Stolzing verkörperte. Nach dem Auftritt dort änderte er seinen Namen in Erik Enderlein um. Dieser sah aber anders aus und war 1913 viel jünger als die abgebildetre Person.

Erik Enderlein, damals noch Emil. Die Zahl 1940 auf der Karte kann eigentlich nicht stimmen...

Die dritte Dame auf der linken Seite ist Madame Charles Cahier (1870-1951). Sie ist in Nashville (Tennessee) geboren und hieß eigentlich Sarah Jane Walker. Seitdem sie 1904 den "schwedischen Rittergutsbesitzer" (so das Sängerlexikon) Charles Cahier geheiratet hatte, trat sie nur noch unter seinem Namen auf. Sie wurde 1906 von Gustav Mahler nach Wien geholt und sang 1911 in München in der Erstaufführung von Mahlers "Lied von der Erde" das Alt-Solo. Auch von ihr gibt es hier noch ein andrees Bild zum Vergleich.


Madame Charles Cahier in Titus von Mozart





Hinter der rechten Schulter des Prinzregenten sehen wir schließlich noch die altbekannte hünenhafte Gestalt des unverwüstlichen Leo Slezak (1873-1946). Kommen wir nun zur rechten Seite des Bildes.


Auschnitt der rechten Bildseite

Hier hat der Chronist leider seine peinlich genaue Auflistung der einzelnen Personen genau nach Stellung in der Reihe nicht beibehalten. Lediglich zwei Namen werden uns noch angegeben, nämlich Berta Morena (1878-1952) und Louise Perard-Petzl (1884-1936). Mit im Spiel sind noch Olive Fremstad und Edyth Walker, die ebenfalls auf dem Konzertplakat stehen.

Wenn man die vier Damen rechts neben dem Prinzregenten, die unverdeckt zu sehen sind, von 1 bis 4 durchnummeriert, wäre meine Zuordnung: 1 - Olive Fremstad, 2 - Edyth Walker, 3 - Berta Morena, 4 - Louise Perard-Petzl.

Damit sich jeder ein eigenes Urteil bilden kann, hier ein paar Bilder, nach denen ich meine Einschätzung vorgenommen habe:


(sieht nach m.E. dem Mesothorium-Foto sehr ähnlich)

Olive Fremstad 2

Olive Fremstad 3, etwas jünger als auf dem Foto (?)

Edyth Walker:

Edyth Walker privat


Ausschnitt, sieht aus wie Person 2










Jetzt zu Morena und Perard-Petzl:

sieht aus wie auf dem Mesothorium-Foto


 Hier lacht sie aber eher wie Person 4, hat aber nicht so ein schmales Gesicht. Oder irre ich mich?



Nun zur letzten, die auch wie auf dem Foto lacht, wenn sie denn Person 4 ist!

Louise Petzl in Schmuck der Madonna






Ich nehme gerne Kommentare von Mitratern entgegen. Und das nächste Rätsel wartet auch schon: eine Ansichtskarte mit Münchner Bühnenkünstlern, die 1912 gelaufen ist. Es könnten aber auch Schauspieler sein, denn ich erkenne niemanden von unserem Mesothorium-Konzert wieder!



(PS. Juni 17: mittlerweile gelöst, siehe Kommentar)


PS. Die Abbildungen der Ärzte und des Konzert-Plakates stammen aus diesem Buch (das ich nicht gelesen habe, sondern über Google durchsuchen konnte):