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Samstag, 29. Juni 2013

Leo Slezak: Liederabende in Wien 1926 - 1929 (Teil 1)

Leo Slezak mit zwei Hunden


Leo Slezak gab in seiner Heimatstadt Wien regelmäßig Liederabende im Großen Saal des Musikvereins. Einige Programme dieser Liederabende aus den Jahren 1926 bis 1929 werden im folgenden wiedergegegben. Bei fast allen Abenden wurde Leo Slezak von Otto Schulhof am Klavier begleitet.

Eintrittskarten Leo Slezak 2.III.1926


Am 2.März 1926 sang er Lieder von Schumann, Schubert, Beethoven und Strauss. Im zweiten Teil des Programmes wirkte de Pianistin Angela Engel-Weschler mit einem Soloteil mit (Hochzeitsmarsch und Elfenreigen von Mendelssohn). Anschliessend sang Leo Slezak zwei Opernarien aus "Die Macht des Schicksals" von Verdi (in Deutsch) und "Cielo e mar" (auf italienisch) aus "La Gioconda" von Ponchielli.

Leo Slezak Konzert 2.III.1926






Leo Slezak Konzert 2.III.1926 Seite 2

Leo Slezak Konzert 2.III.1926 Seite 3

Leo Slezak Konzert 2.III.1926 Seite 4





Interessant sind auch die Vorankündigungen für Konzerte in den nächsten Wochen. Es fanden u.a. Liederabende mit Rosette Anday, Hans Duhan und Anny Lux (über diese Sängerin habe ich keine Informationen) statt sowie Klavierabende mit Julius Chajes, Juliusz Hertz, Dr. Viktor Ebenstein und ein Konzert mit Pablo Casals.




Leo Slezak Konzert 2.III.1926 - Vorankündigungen

Das nächste Programm stammt vom 6. Mai 1927. Slezak sang diesmal die Freischütz-Arie, den Schlußgesang aus "Guntram" von Strauss sowie wie am 2.III.26 die Arie "Cielo e mar" aus "La Gioconda" von Ponchielli. Zwischendurch sang er Lieder von Beethoven (Adelaide), Joseph Marx und Johannes Brahms. Auch diesmal wirkte im zweiten Teil eine Pianistin (Inge Gall) mit, die zwei Stücke von Schumann und Sauer spielte.

Leo Slezak Konzert 6.V.1927

Leo Slezak Konzert 6.V.1927 Seite 2

Leo Slezak Konzert 6.V.1927 Seite 3
Interessant sind die handschriftlich im Programm notierten Zugaben. Es handelte sich um drei Strauss-Lieder (Zueignung, Ich trage meine Minne, Traum durch die Dämmerung), "Im Kahne" von Grieg, "Sechse, siebene oder acht " von Ignaz Brüll sowie "Lockruf" von Rückauf (wurde auch von Leopold Demuth auf Schallplatte aufgenommen). Zuletzt folgte "Er ist's" von Hugo Wolf. Damit umfasste der Zugabenteil sieben Lieder - genau so viele Lieder wie der "offizielle Teil" enthielt.


Leo Slezak Konzert 6.V.1927 Seite 4


Das nächste Konzert, das ich hier dokumentieren kann, fand am 7.XI. 1927 statt. Wurden die vorigen beiden Konzerte von der Konzertdirektion Gutmann veranstaltet, hatte Slezak jetzt zur Konzertdirektion Georg Kugel gewechselt. Diesmal bestand das Programm aus einer Arie am Anfang (Bildnis-Arie aus Zauberflöte) und zwei am Ende (Aus "Das Mädchen aus dem goldene Westen" von Puccini und "Luisa Miller" von Verdi). Dazwischen gab es zwei Blöcke mit je vier Liedern von Schubert und Strauss. Wieder wirkte im zweiten Teil ein Pianist (Marco Goldin) mit, der drei Stücke spielte.


Leo Slezak Konzert 7.XI.1927


Leo Slezak Konzert 7.XI.1927 Seite 2

Leo Slezak Konzert 7.XI.1927 Seite 3

Auch hier hat der damalige Konzertbesucher wieder die Zugaben notiert. Es waren das Ständchen von Brahms ("Der Mond steht über dem Berge"), "Im Kahne" von Grieg, "Komm an mein Fenster" von einem mir unbekannten Komponisten, "Sechse, siebene oder acht" von Ignaz Brüll, "Er ist's" von Wolf sowie die Arie "Amor ti vieta" aus Feodora von Giordano.

Leo Slezak Konzert 7.XI.1927 Seite 4 mit Zugaben

Der Teil im Programmheft mit den Vorankündigungen ist diesmal sehr umfangreich.

Vorankündigungen November 1927

Maurice Dekobra war ein damals erfolgreicher Unterhaltungsschriftsteller mit Romanen wie "Ein Freudenmädchen ist gestorben .." oder "Glauben Sie, dass Pauline jemals ein anständiges Mädchen wird?"

Vorankündigungen November 1927 Seite 2

Vorankündigungen November 1927 Seite 3

Umschlagseite mit Ankündigung Yvette Guilbert am 25. und 28.XI.1928



PS.

Der Wiener Pianist Paul Badura-Skoda sagte 2002 im Interview über den Pianisten Otto Schulhof:

Gleichzeitig lehrte mich Otto Schulhoff (sic!), ein Wiener Original. Obwohl er ein genialer Pianist war, fand er allgemein aber wenig Beachtung, weil er scheinbar nach (dem) Prinzip "lieber 10 Minuten am Podium zittern, als zwei Stunden üben" lebte. Er hatte den schönsten Anschlag, den ich neben Edwin Fischer je gehört habe; jedes Klavier hat unter ihm geblüht und geklungen, es war ein Traum. Für mich waren die Bedingungen ideal, da ich bei zwei so vollkommen gegensätzlichen Lehreren gelernt habe. Viola Thern war der Typus der korrekten klassischen Wiener Schule, wo alles genau stimmen muß; Schulhoff eben der imaginäre, phantasievolle Pianist mit Rubato und Temporückung. Da Frau Thern nicht wusste, dass ich noch weitere Privatstunden nahm, hat sie sich oft gewundert, dass ich plötzlich so phantasievoll spielte.

Weiterlesen kann man HIER.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Leo Slezak: Liederabende in Wien 1926 - 1929 (Teil 2)


Leo Slezak, Karte aus dem "Ross"-Verlag. Sie stammt vermutlich aus einem Film und datiert von ca. 1930



Im Jahr 1928 wurde überall der 100.Todestag von Franz Schubert feiererlich begangen. Am 27.Januar 1928 gab Leo Slezak im Großen Musikvereins-Saal einen reinen Schubert-Abend. Wieder begleitet ihn Otto Schulhof.



Leo Slezak Schubert-Abend 27.I.28 - Programm



Leo Slezak Schubert-Abend 27.I.28 -2.Seite



Leo Slezak Schubert-Abend 27.I.28 -Seite 3


Leo Slezak Schubert-Abend 27.I.28 - Seite 4

Auch diesmal hat der damalige Konzertbesucher wieder handschriftlich die Zugaben notiert. So gab es neben den 12 Liedern folgende Zugaben:

Ständchen (Leise flehen meine Lieder)
Im Abendrot
Trockene Blumen

Wiederholt, d.h. im Laufe des Konzertes 2x gesungen wurden folgende Lieder:

Der Jüngling an der Quelle
Geheimes
Nacht und Träume.

Dem Programm lag Werbung für die Bücher von Slezak mit einer Karikatur von Walter Trier bei.





1928 gab Leo Slezak mindestens ein weiteres Konzert Im Musikverein, nämlich am 13. Nov. 1928. Er sang den Zyklus "An die ferne Geliebte" von Beethoven und vier Hugo Wolf-Lieder. Den dritten Teil gestaltete, wie im November 1927, der Pianist Marco Goldin mit drei Stücken von Chopin, Moritz Rosenthal und Franz Liszt. Das mittlere Stück, "Papillons" von Rosenthal, wurde wiederholt.

Danach folgten noch zwei Vortragsgruppen mit Leo Slezak. Zuerst sang er "Tom der Reimer" von Loewe und drei Strauss-Lieder. Zuletzt kamen drei Arien zum Vortrag, nämlich das Schlummerlied aus "Die Stumme von Portici" von Auber, die Blumenarie aus Carmen sowie sein "alter Hit" Amor ti vieta aus Fedora.

Der Zugabenteil war wieder sehr reichhaltig. Bereits nach dem zweiten Teil mit Wolf-Liedern gab es "Er ist's" und "Der Jüngling an der Quelle" von Schubert als Zugabe, nachdem er vorher schon "Verschwiegene Liebe" wiederholt hatte. Im vierten Teil sang er "Freundliche Vision" 2x und "Ach weh mir unglückhaften Manne" von Strauss am Ende des Vortragsblocks.

Am Schluß des Konzertes kam es zu einem Zugabenteil mit fünf Titeln:

Othellos Tod (Slezak gastierte 1928 sehr erfolgreich als Othello an der Berliner Staatsoper)
Traum durch die Dämmerung (Strauss)
Ständchen (Brahms)
Sechse, siebene oder acht (Brüll)
Vergiss mein nicht (Komponist unbekannt)


Leo Slezak, Konzert vom 13.XI.1928



Leo Slezak, Konzert vom 13.XI.1928 Seite 3

Leo Slezak, Konzert vom 13.XI.1928, Seite 4

Leo Slezak, Konzert vom 13.XI.1928, Seite 5

Leo Slezak, Konzert vom 13.XI.1928, Seite 6


Die Vorankündigungen für andere Konzerte der Konzertdirektion Rudolf Kugel standen diesmal auf Seite 2 des Programms. Angekündigt werden u.a. Klavierabende von Sergei Rachmaninoff und Youra Güller, der Geiger Albert Spalding und ein Schallplatten-Konzert mit Columbia-Musikplatten.




Die zweite Seite des Konzertprogramms vom 13.XI.1928


Das letzte Stück aus der kleinen Sammlung mit Slezak-Programmen stammt vom 28.Nov. 1929. Leo Slezak wurde diesmal nicht von Otto Schulhof, sondern vom Pianisten Walter Bricht begleitet (der oben in den Vorankündigungen für den 24.XI. 1928 als Begleiter des Cellisten Fredéric Mottier erwähnt wird).


Eintrittskarten für das Slezak-Konzert am 28.XI.1929
Diesem Programm lagen zwei Eintrittskarten bei: eine für Parterre und eine für die 1. Galerie an der Seite. Eine ist offensichtlich nicht benutzt (oder nicht abgerissen) worden. Vielleicht hat der Konzertgänger noch eine zweite Karte geschenkt bekommen und sich dann lieber für den Sitz in der Galerie entschieden. Genau wird man es nie wissen, aber es macht Spaß, darüber zu spekulieren...

Leo Slezak - Liederabend vom 28.XI.1929

Slezak sang diesmal einen Liederabend mit Liedern von Hugo Wolf und Richard Strauss. Den Abschluß bildete wieder der Schlußgesang aus der frühen Strauss-Oper "Guntram". Den Mittelteil bestritt die Pianistin Anne Michelson aus Baltimore.



Leo Slezak - Liederabend vom 28.XI.1929 - Seite 2

Leo Slezak - Liederabend vom 28.XI.1929 - Seite 3

Leo Slezak - Liederabend vom 28.XI.1929 - Seite 4


Diesmal sind keine Zugaben handschriftlich vermerkt, aber man darf wohl davon ausgehen, dass es wieder einen umfangreichen Zugabenteil gab. Falls ein Leser dieses Blogs irgendwelche Kritiken über diese Liederabende aus Wiener Zeitungen besitzt, würde mich dies sehr interessieren!











Mittwoch, 12. Juni 2013

Wiener Oper 1928-1930: Jonny spielt auf, Hans Duhan, Leo Slezak etc.

Ich gebe nun zwei Programmhefte der Wiener Oper wieder. Leider fehlt beiden das, was den Sammler am meisten interessiert: der Einlegezettel mit der Angabe der speziellen Vorstellung, zu der das Heft verkauft wurde und worauf die auftretenden Künstler angegeben sind. Die Hefte enthalten aber im ersten Fall einige interessante Artikel über zwei beliebte Sänger und in beiden Fällen mehrere seltene Fotos von aktuellen Vorstellungen der Wiener Oper aus der Zeit um 1930.

Hier das erste Heft. Es stammt aus dem Jahr 1928  und enthält Bilder aus der Vorstellung der Oper "Jonny spielt auf" von Ernst Krenek. Diese Oper hatte in Wien am 31.XII.1927 Premiere und wurde bis April 1931 insgesamt 31 mal gegeben. Das Heft enthält zwei Artikel über die Sänger Leo Slezak und Hans Duhan. Die genaue Zuordnung zum Jahr 1928 ist ein wenig Detektivarbeit: im Slezak-Artikel wird das Buch "Der Wortbruch" erwähnt, das "letztes Jahr" erschien. Bei Wikipedia kann man nachlesen, dass das Buch 1927 erschien.


Titelblatt Heft 1

Artikel Leo Slezak

Slezak-Artikel 2, Foto mit Wanda Achsel als Anita in "Jonny spielt auf"

Slezak-Artikel 3

Artikel Leo Slezak Ende - Artikel über Hans Duhan

Artikel Hans Duhan 2

Artikel Hans Duhan 3

Rückseite des Heftes


Das zweite Heft, das ich hier vorstelle, stammt aufgrund verschiedener Fotos von Werken, die im Jahr 1930 in Wien gegeben wurden, wohl auch aus diesem Jahr (zweite Jahreshälfte 1930).


Titelblatt Heft 2

Vorne im Heft: Ein Foto von Alfred Piccaver

Das Heft enthält einen Artikel zur Oper "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" von Jaromir Weinberger. Die Premiere dieser Oper in Wien war am 16.X.1930. Die Oper wurde in den folgenden vier Jahren insgesamt 34mal gegeben. Im Jahr 1931 war sie unter den zeitgenössischen Werken das Hauptstück im Repertoire der Wiener Oper.



Der Dudelsackpfeifer Schwanda, von Paul Stefan

Der Dudelsackpfeifer Schwanda 2, Foto aus "Jonny spielt auf"

Der Dudelsackpfeifer Schwanda 3, Foto aus "Jonny spielt auf" (Schlußszene)

Der Dudelsackpfeifer Schwanda 4

Der Dudelsackpfeifer Schwanda 5

Der Dudelsackpfeifer Schwanda 6, Foto aus "Der eiserne Heiland"

"Der eiserne Heiland" ist eine Oper von Max von Oberleitner, die im Jahr 1916 Premiere hatte und in Wien am 16.VI.1930 aufgeführt wurde. Danach wurde sie im Jahr 1930 noch drei mal gegeben und dann noch zweimal im Jahr 1934.

Der Dudelsackpfeifer Schwanda (Schluss)



Es folgt noch ein Artikel von Friedrich Rosenthal zum Thema "Der Musiker im Drama". Es handlet sich um den Abdruck des letzten von mehreren Teilen, die ich leider nicht kenne. Interessanter als der Artikel sind die eingestreuten Fotos:


Foto aus "Cosi fan tutte"


Foto aus "Angiolina"

"Angiolina" ist eine Oper von Antonio Salieri. Sie wurde im Redoutensaal der Oper gegeben. Man kann sie sich als eine Art Kammeroper vorstellen. Die offiziellen Spielpläne der Wiener Oper geben keine Auskünfte darüber, wann diese Oper gegeben wurde.

Foto aus "Der Taugenichts in Wien"

"Der Taugenichts in Wien" ist ein Ballett von Franz Salmhofer (1900-1975). Es wurde 1930 uraufgeführt. Genauere Daten sind nicht zu ermitteln.


Ende des Artikels "Der Musiker im Drama"

Zuletzte noch zwei Sängerfotos aus dem Programmheft.


Adele Kern

Gunnar Graarud



(Für ergänzende Hinweise bin ich immer dankbar.)

PS. Die Oper "Jonny spielt auf" findet man zum kostenlosen Download hier:
http://radiomelasudas-beaumarchais.blogspot.de/2012/10/ernst-krenek-jonny-spielt-auf.html