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Donnerstag, 20. Juli 2017

In Wien am Bühnentürl (4)

Mein Bruder hat früher immer gesagt: "Wenn Du zwei Sachen von etwas hast, dann fängst du an, es zu sammeln!" Ganz recht hat er damit nicht, aber ich gebe zu, dass ich ein typischer Sammler bin und das "immer mehr Dazufinden" mir großes Vergnügen bereitet. So ging es mir auch mit den Bühnentürl-Bildern: zuerst einzelne durch Zufall mal mitgenommen, dann gezielt gesucht und nun: Welten tun sich auf. Es gibt doch mehr Bilder von dieser Art, als ich zuerst gedacht habe. Weiterhin schätze ich den Charme dieses Bilder-Genres: die ungestellten Portraits, die spontan eingefangenen Situationen - auch wenn manche Bilder technisch und kompositorisch eher schlecht sind und man nicht viel darauf erkennen kann. Auf jeden Fall strahlen sie die Freude aus, den bewunderten Star mal auf der Strasse gesehen und ein bisschen belauscht zu haben.

Hier kommen weitere Beispiel, die ich in der letzten Zeit gefunden habe. Sie führen zurück in die Zeit in Wien, als Gustav Mahler Operndirektor war (1897-1907). Ich weiss nicht, ob es auch Bühnentürl-Ansichtskarten von Gustav Mahler gab. Unter der überschaubaren Anzahl von verschiedenen Mahler-Fotografien in der der Literatur und in Biografien gibt es mindestens ein Bild, das Gustav Mahler auf der Strasse zeigt. Es könnte aus der Serie stammen - die Suche geht für mich als Sammler also weiter...
Die Abbildung stammt aus dem Buch von Jens Malte FISCHER: Gustav Mahler, Der fremde Vertraute (2003). Lizenzausgabe Zweitausendeins, S. 541.

Gustav Mahler ca. 1904 auf der Straße (Opernplatz?)


Doch nun zu den neuen Karten. Die erste zeigt Anton Schittenhelm, der hauptsächlich kleinere Rollen an der Wiener Oper sang, dafür in Fülle und über viele Jahre (1875 - 1903) . Einen Wilhelm Schittenhelm gab es nicht an der Wiener Oper, und so wird wohl Anton abgebildet und falsch bezeichnet sein - was bei den Bühnentürl Karten noch an anderer Stelle ebenfalls vorkam (Leier statt Leuer).

Vermutlich Anton (statt Wilhelm) Schittenhelm am Bühnentürl


Schittenhelm, Anton, Tenor, * 14.2.1849 Olbersdorf (Österreichisch-Schlesien), † 14.3.1923 Wien; er trat als Lehrling in ein Bankhaus ein und arbeitete dort als Effektenkassierer. In einem Wiener Männergesangverein wurde seine Stimme entdeckt und durch die Pädagogen Ruff und Friedrich Schmitt ausgebildet. Im Januar 1875 trat er in Wien als Solist bei einer Aufführung der Faust-Sinfonie von Liszt erstmals öffentlich auf. Im Juni des gleichen Jahres debütierte er an der Wiener Hofoper als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. 27 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1903 blieb er ununterbrochen als Mitglied diesem großen Opernhaus verbunden. Sang er im Anfang seiner Karriere dort zumeist kleinere Partien, so wurden ihm später auch Rollen wie der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Lorenzo in »Fra Diavolo« von Auber, der Max im »Freischütz«, der Konrad in »Hans Heiling« von Marschner, der Alfonso in »La Muette de Portici« und der Don Alvaro in »L'Africaine« von Meyerbeer übertragen. Er wirkte auch an der Wiener Hofoper in der Uraufführung einer Oper von Johann Strauß, »Ritter Pazmán«, mit (1.1.1892). Der auch als Konzertsänger bekannte Künstler galt als eins jener vielseitigen Ensemblemitglieder wie sie für den Opernbetrieb unentbehrlich sind. Er starb nach langer schwerer Krankheit 1923 in Wien.
[Lexikon: Schittenhelm, Anton. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 21706 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 3105 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Nicht besonders gut zu erkennen ist auf dem nächsten Bild der Tenor Georg Maikl, der seit 1904 an der Hofoper in Wien sang und mit zu den Weltrekordhaltern im Punkt Karrierelänge gehört. Ich habe unten bei den Zitaten aus dem Sängerlexikon einige Passagen hervorgehoben, die sich darauf beziehen. Dann folgt noch ein anderes Bild von ihm, damit man auch mal sein Gesicht erkennen kann.



Georg Maikl am Bühnentürl


Maikl, Georg, Tenor, * 4.4.1872 Zell an der Ziller, † 22.8.1951 Wien; sein Vater war ein bekannter Tiroler Jodler, und auch er trat zuerst in einer Jodler- Gruppe auf. Seine Stimme wurde durch den berühmten Impresario Bernhard Pollini in Prag entdeckt und durch Anton Hromada in Stuttgart ausgebildet. Pollini hatte ihn bereits für das von ihm geleitete Hamburger Stadttheater verpflichtet, starb aber vor Beginn des Engagements, so daß Georg Maikl 1899 in Mannheim als Tamino in der »Zauberflöte« debütierte. Nachdem er in Mannheim große Erfolge gehabt hatte, wurde er 1904 an die Wiener Hofoper (seit 1918 Staatsoper Wien) berufen, an der er 40 Jahre lang in insgesamt hundert Partien und in 2160 Vorstellungen aufgetreten ist. Bei den Salzbuger Mozart- Festen von 1906 und 1910 sang er den Don Ottavio im »Don Giovanni«. Auch bei den späteren Salzburger Festspielen trat er immer wieder hervor. Hier wirkte er 1922 als Don Ottavio im »Don Giovanni« und als Belmonte in der »Zauberflöte«, 1926 als Tanzmeister und als Brighella in »Ariadne auf Naxos«, 1936-38 als Kunz Vogelsang in den »Meistersingern«, 1937 als Ägisth in »Elektra« und mehrfach in Konzerten (u.a. 1936 in dem Oratorium »Christus« von F. Liszt) mit. Seine Karriere gehört zu den längsten, die ein Sänger überhaupt gehabt hat. Bis 1944 sang er an der Wiener Staatsoper, wirkte dort aber noch 1950 in einer kleinen Partie in Hans Pfitzners »Palestrina« mit. Er sang an der Wiener Oper auch in der Uraufführung der neu bearbeiteten Richard Strauss Oper »Ariadne auf Naxos« (4.10.1916), 1930 in der Premiere des »Wozzeck« von A. Berg, bereits 1907 den Pinkerton in der Wiener Premiere von Puccinis »Madame Butterfly«, am 1.4.1914 in der Uraufführung von »Notre Dame« von Franz Schmidt, am 20.1.1934 in der Uraufführung der Lehár-Operette »Giuditta«, am 8.12.1934 in der der Oper »Das Veilchen« von Julius Bittner. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Wiener Zentralfriedhof. Seine Tochter Lieselotte Maikl (* 1925) wirkte als Sopranistin an der Staatsoper Wien. - Schöne, ausdrucksvolle Tenorstimme, auf dem Höhepunkt seiner Karriere vor allem im lyrischen Stimmfach bedeutend.

Aufnahmen auf Favorite (Wien, 1905-06, 1908), Lyrophon (Wien, 1905-06), Columbia (Wien, 1905-06), HMV (Wien 1910; 1915 u.a. in einem Quartett zusammen mit Hans Breuer, Carl Rittmann und Lorenz Corvinus), Odeon (Wien, 1906) und Pathé. Elektrische Aufnahmen auf Columbia (9. Sinfonie von Beethoven unter Weingartner), auf Toscanini Edition (»Meistersinger« aus Salzburg, 1937). Auf KochSchwann (Archivaufnahmen der Wiener Staatsoper) erschien die Narraboth-Szene aus »Salome« von R. Strauss mit Maria Jeritza von 1933, außerdem eine »Meistersinger«-Aufnahme mit ihm als Kunz Vogelsang.

[Nachtrag] Maikl, Georg; er gastierte an den größeren Theatern in Österreich und Deutschland, u.a. in Stuttgart, Wiesbaden, Brünn, Prag und an der Komischen Oper Berlin. Er sang an der Wiener Oper in weiteren Premieren, so 1911 den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, 1918 den Narraboth in »Salome« von R. Strauss, 1921 den Victorin in »Die tote Stadt« von Korngold. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich auch der Lyonel in Flotows »Martha«, der Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Manrico im »Troubadour«, der Alfredo in »La Traviata«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Fra Diavolo von Auber und der Thibaut im »Glöckchen des Eremiten« (»Les dragons de Villars«) von Maillart. Die Stadt Wien ließ den beliebten Sänger, der seit 1941 Ehrenmitglied der Staatsoper war, in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestatten.

[Lexikon: Maikl, Georg. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 15094 (vgl. Sängerlex. Bd. 3, S. 2167 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]

So sieht Georg Maikl in seiner Rolle als Tamino aus:

Georg Maikl als Tamino


Die nächste Karte trägt keine Bezeichnung, vielleicht weil damals jeder wusste, wer abgebildet war. Mir kam der Mann auf dem Bild auch irgendwie bekannt vor, und ich habe immer wieder überlegt woher, bis mich eines Tages der Gedanke durchzuckte: (im Wiener Dialekt zu sprechen) "Geh her! das ist doch der - SLEZAK!"




Das ist doch der Slezak...



Nach weiteren Vergleichen, unter anderem mit einem Privatfoto von ihm, das ich gerade bekommen habe, bin ich mir nun (ziemlich) sicher, dass das Bild oben Leo Slezak zeigt. Ich wusste zwar nicht, dass er manchmal eine Brille trug, aber sonst stimmt alles: die großgewachsene massige Gestalt, das ausgestrahlte Selbstbewusstsein, der Blick und die Art, leicht ironisch in die Welt zu schauen. Ich schätze, das dieses Bild aus der Zeit nach 1910 stammt und damit das späteste der hier diesmal gezeigten Bilder ist. Das Privatfoto aus München aus ungefähr der gleichen Zeit zeigt nach einer alten Aufschrift auf der Rückseite von links nach rechts: Max Gillmann, Berta Morena und Leo Slezak


Gillmann, Morena und Slezak in München 



Die nächste Karte ist wieder ein Schnappschuss, auf dem man nicht viel erkennen kann. Laut Betitelung zeigt er die Sängerin Marie Gutheil-Schoder (im Gespräch mit zwei Herren). Sie ist mit einem besseren Portrait bereits in der zweiten Folge der Bühnentürl-Bilder hier in diesem Blog vertreten gewesen und dort auch beschrieben worden.



Beim Bühnentürl: Marie Gutheil-Schoder (2)

Auch Berta Förster-Lauterer war in der ersten Folge der Bühnentürl-Bilder schon mit einem Bild mit weißem Kleid in sommerlicher Kleidung vertreten. Hier folgt noch ein Bild aus dem Winter (mit umgehängtem Muff, einem Kleidungsstück, das heute nicht mehr in Mode ist).
Franz Spetrino (ist es der Herr neben ihr oder der kleinere Mann mit dem Stock?) war in der Zeit von Januar 1904 bis August 1908 Dirigent an der Wiener Oper und leitete eine Reihe von Vorstellungen. Damit kann man das Bild zeitlich eingrenzen. Genauer bekommt man es nicht hin. Über das Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper ( https://archiv.wiener-staatsoper.at/ ) habe ich herausbekommen, dass die einzige Oper, die sowohl Berta Förster-Lauterer gesungen als auch Franz Spetrino dirigiert haben, die Oper "Die verkaufte Braut" war. Allerdings sang Berta Förster-Lauterer diese Rolle am einzigen Termin, an dem Spetrino diese Oper dirigierte, nämlich dem 6.März 1906, nicht, sondern erst im Mai 1906 wieder.







Foerster-Lauterer, Berta, Sopran, * 11.1.1869 Prag, † 9.4.1936 Prag; sie war die Tochter eines Prager Kaufmanns. Sie war Schülerin von Antonia Plodková und von Tauwitz in Prag. Sie debütierte 1888 unter dem Namen Berta Lautererová (nach ihrer Heirat Foerstrová-Lautererová) am Nationaltheater von Prag als Agathe im »Freischütz«. Dort hatte sie auch als Sulamith in Goldmarks »Königin von Saba« und als Pamina in der »Zauberflöte« große Erfolge. 1890 heiratete sie den Komponisten Joseph Bohuslav Foerster (1859-1951). 1892 gastierte sie mit dem Ensemble der Prager Oper anläßlich der Weltausstellung in Wien. Hier bewunderte man sie als Xenia in »Dimitrij« von Dvorák. Am 12.2.1889 sang sie an der Oper von Prag in der Uraufführung von Dvoráks »Jakobiner« die Partie der Julia. Sie sang auch in den Prager Premieren von Verdis »Othello« (1888) und Tschaikowskys »Eugen Onegin« (1888), letztere in Anwesenheit des Komponisten. Bis 1893 blieb sie in Prag und wirkte dann 1893-1901 sehr erfolgreich am Stadttheater (Opernhaus) Hamburg, wo sie zuvor als Mignon von A. Thomas und als Marguerite im »Faust« von Gounod gastiert hatte. 1901 folgte sie einem Ruf an die Hofoper von Wien. Sie gehörte zu den großen Sängerpersönlichkeiten der Gustav Mahler-Epoche der Wiener Hofoper und brillierte hier als Adalgisa in »Norma«, als Euryanthe, als Lisa in »Pique Dame«, als Nedda, als Sulamith in der »Königin von Saba«, als Mignon, als Sieglinde in der »Walküre« und als Frasquita im »Corregidor« von Hugo Wolf. Cosima Wagner lud die Sängerin nach Bayreuth ein, doch konnte sie der Einladung nicht Folge leisten. Weitere Gastspiele in Berlin und München. 1914 gab sie ihre Bühnenlaufbahn auf. Sie lebte seitdem in Prag. Aus ihrem umfangreichen Bühnenrepertoire sind die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Carmen, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in den »Meistersingern«, die Frau Dot in Goldmarks »Heimchen am Herd«, die Marie im »Waffenschmied« von Lortzing, die Frau Fluth in Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor« und die Marie in der »Verkauten Braut« von Smetana nachzutragen. - Man bewunderte die Klangschönheit ihrer Stimme ebenso wie die Wärme und die künstlerische Reife ihres Vortrages.

Von ihr existieren acht seltene Aufnahmen auf G & T (Wien, 1903); einige Titel auf Odeon und Jumbo, darunter auch tschechische Lieder.
[Lexikon: Foerster-Lauterer, Berta. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 7807 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 1169 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Liste der von Franz Spetrino dirigierten Vorstellungen aus dem Spielplanarchiv der Wiener Oper


Damit wäre ich mit den neuen Karten über die Wiener Hofoper am Ende. Zwei weitere Karten aus Wien möchte ich hier noch präsentieren. Sie zeigen die Operettensängerin Mizzi Zwerenz vor oder besser hinter dem Carltheater in Wien. Dort war sie seit 1901 engagiert. Beide Fotos stammen wohl von Ende 1906. In diesem Jahr wurde die Operette "Künstlerblut" von Edmund Eysler mit Mizzi Zwerenz und Alexander Girardi am 20.Oktober im Carltheater uraufgeführt. Die abgebildeten Plakate weisen auf diese Vorstellungen hin.



Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (1)

Mizzi Zwerenz am Bühnentürl Carltheater ca. 1906 (2)



Zwerenz, Mizzi, Sopran, * 13.7.1876 Pöstyn (Pistyan, Ungarn), † 14.6.1947 Wien; ihr Vater, Carl Ludwig Zwerenz, war Schauspieler und später Theaterdirektor an verschiedenen Theatern in der österreichisch-ungarischen Monarchie, u.a. in Bozen, Meran, Iglau, Teplitz, Hall in Oberösterreich (wo 1880 Gustav Mahler seine Dirigentenlaufbahn unter ihm begann) und Preßburg (Bratislava); ihre Mutter war Operettensängerin. Sie war eine Urenkelin des Burgschauspielers Karl Ludwig Costenoble (1769-1837). Ihre Ausbildung erfolgte durch die berühmte Pädagogin Rosa Papier-Paumgartner in Wien. Sie betrat erstmals die Bühne 1897 in Baden bei Wien und kam schnell zu einer großen Karriere als Operettensoubrette. Nachdem sie am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater in Berlin 1900-1901 sehr erfolgreich aufgetreten war, berief man sie 1901 an das Wiener Carl- Theater. Hier erreichte ihre Karriere in einer fast zwanzigjährigen Dauer (bis 1923 mit Unterbrechungen) ihren Höhepunkt; sie gehörte zu den beliebtesten Operettensängerinnen der Donaumetropole. Nachdem sie 1915-18 am Wiener Apollo-Künstlertheater und 1919-21 am Wiener Komödienhaus aufgetreten war, kam sie wieder an das Carl-Theater zurück und setzte dort 1921-23 ihre glänzende Karriere fort. 1923 wechselte sie an das Theater an der Wien, wo ihre Künstlerlaufbahn, zuletzt im Rahmen von Gastspielen, 1936 zum Ausklang kam. Zwischendurch hatte 1926-27 ein kurzes Engagement am Wiener Stadttheater bestanden. 1908 gastierte sie in Graz, 1906 am Stadttheater von Brünn (Brno), seit 1906 oftmals am Deutschen Theater Prag, 1928 am Gärtnerplatztheater München. Zu den Glanzrollen der Sängerin, die auch als hervorragende Schauspielerin galt, gehörten die Adele in der »Fledermaus«, die Titelrolle in »Sissy« von F. Kreisler, vor allem aber die Franzi Steingruber in »Ein Walzertraum« von Oscar Straus; letztere Partie hatte sie auch am 2.3.1907 in der Uraufführung der Operette am Carl-Theater gesungen. Sie wirkte in vielen weiteren Operetten-Uraufführungen mit, u.a. in »Das süße Mädel« von H. Reinhardt (Carl-Theater 1901), »Fesche Geister« von C.M. Ziehrer (1905 Sommertheater »Venedig« in Wien), »Die Schützenliesl« von E. Eysler (1905), »Künstlerblut« ebenfalls von E. Eysler (1906), »Die geschiedene Frau« von Leo Fall (1908), »Zigeunerliebe« von Franz Lehár (8.1.1910), »Polenblut« von O. Nedbal (1913) - die letztgenannten fünf alle im Carl Theater. Am Theater an der Wien hörte man sie in den Uraufführungen der »Zirkusprinzessin« von E. Kálmán (26.3.1926) und in E. Eyslers »Die gold'ne Meisterin« (13.9.1927). - Sie war verheiratet mit dem Gesangs- und Charakterkomiker Arthur Guttmann (* 1.7.1877 Wien, † 3.6.1956 Wien), der einer Schauspielerfamilie angehörte, 1896 seine Karriere in Budweis (Ceské Budejovice) begann und schließlich an den großen Wiener Operettentheatern, teilweise Auftritte zusammen mit seiner Gattin (u.a. auch in der Uraufführung des »Walzertraums«), bekannt wurde. Ihr Sohn, Fritz Zwerenz (1895-1970), wirkte als Dirigent an verschiedenen Operettentheatern.

Die Stimme von Mizzi Zwerenz, die neben Louise Kartousch die große Diva des »silbernen Zeitalters« der Wiener Operette war, erscheint auf G & T (Wien, 1902-07), später auf HMV-Schallplatten (seit 1908), elektrische Aufnahmen auf Kalliope; auch von Arthur Guttmann existieren Aufnahmen auf G & T und HMV.
[Lexikon: Zwerenz, Mizzi. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 26619 (vgl. Sängerlex. Bd. 5, S. 3826 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]


Carltheater, aus: Wiener Theateralmanach 1902



Zuletzt noch ein schönes Foto, das nicht aus Wien stammt, sondern aus Graz. Es zeigt die ehemalige Operetten- und damals angehende Opernsängerin Anny Münchow am Hintereingang des Theaters, wo sie engagiert war. Sie schaut, wie auf vielen Fotos von ihr, mit hellen, offenen, strahlenden Augen in die Kamera. Ihre Präsenz und Kommunikationsfähigkeit mit dem Publikum drückt sich in diesem Foto aus. Neben ihr steht melancholisch der alte Portier und raucht sich eine Zigarette, während im Hintergrund Menschen aus dem Publikum schauen, was denn da wohl fotografiert wird. Ein gelungener Schnappschuss!



Anny Münchow live (1)


Münchow, Anny, Sopran, * 6.11.1888 Berlin, † 6.5.1968 Berlin; ihr eigentlicher Name war Anny Münchmeier. Sie begann ihre Bühnenkarriere am Theater von Teschen (Cieszyn), wo sie 1910-11 auftrat. 1911 war sie in Breslau, 1912-13 in Meran, 1913-14 in Nürnberg engagiert. Zu Beginn ihrer Karriere sang sie vornehmlich Operettenpartien und kleinere Soubrettenrollen. 1914-20 trat sie am Theater von Graz in großen Opernpartien auf. 1920 gastierte sie am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg als Myrtocle in der dortigen Premiere der Oper »Die toten Augen« von d'Albert. Der Erfolg war so überzeugend, daß sie sogleich an die Hamburger Oper engagiert wurde. Hier sang sie dann am 4.12.1920 in der Uraufführung von Korngolds »Die tote Stadt« die Partie der Marietta (am gleichen Abend fand noch eine zweite Uraufführung der Oper in Köln statt). Bis 1933 gehörte sie als führendes Mitglied dem Hamburger Ensemble an und vertrat hier vor allem das dramatische wie das Wagner-Fach. Ihre großen Rollen waren die Senta im »Fliegenden Holländer« (die sie 1933 als letzte Partie in Hamburg sang), die Aida, die Elektra in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, die Salome, ebenfalls von Richard Strauss, die Martha in »Tiefland« von d'Albert, die Venus im »Tannhäuser« und die Brünnhilde im Ring-Zyklus. Sie gastierte mit großem Erfolg an den Staatsopern von Berlin und Wien.

Leider sind von ihrer Stimme keine Schallplattenaufnahmen vorhanden.
[Lexikon: Münchow, Anny. Kutsch/Riemens: Sängerlexikon, S. 17256 (vgl. Sängerlex. Bd. 4, S. 2461 ff.) (c) Verlag K.G. Saur]




Und weil es so schön ist, hier noch ein weiteres lebendiges Foto von Anny mit einem unbekannten Herrn. Und damit soll es für heute genug sein!

Anny Münchow live (2)





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